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Polen Fahrradreise 2021

Reisebericht in Bearbeitung!

Nach der verschobenen Schweden-Fahrradreise 2020  buchte ich im Jahr 2021 die An- und Abreise erneut. Als ich aber erfuhr, dass ich trotz meiner 2-fach Impfung noch einen PCR-Test vor Abflug vorlegen muss, da habe ich die Tour gecancelt. Diese Testprozedur hätte ich in meinem Zeitplan nicht mehr unterbringen können.

So fuhr ich kurz entschlossen nach Polen mit dem Ziel der Masurischen Seenplatte einen Besuch abzustatten. Am Ende wurde es eine tolle Fahrradreise die ich nicht mehr missen möchte.

 

Urhebervermerk:(c) PantherMedia / artalis

25.06.2021 Schwerin – Anklam  38 km

Kurzfristig fiel die Entscheidung meine Fahrradreise nicht in Schweden sondern in Polen durchzuführen. Mit dem Zug fuhr ich um 11:39 Uhr von  Schwerin nach Anklam. Beinahe hätte ich die Station verpasst, denn im Zug wurde die Ansage zeitversetzt angesagt, immer zwei Stationen zu spät. Am Bahnhof stieg ich gegen 15:00 Uhr in den Sattel  und fuhr in Richtung Oderhaff. Am Oderhaff schlug ich dann in Nähe von Ückermünde, in Bellin mein Zelt auf.  Auf dem Campingplatz gab es Plätze nur auf Reservierung, aber ich durfte mein Zelt direkt am Haff aufschlagen. Auf die Einhaltung der Corona-Bestimmungen wurde hier großer Wert gelegt.

 

 

26.06.2021 Bellin – Szczecin (Stettin) – Gdańsk (Danzig) gesamte Strecken 88 km

Am Morgen baute ich mein Zelt ab und verpackte meine  Ausrüstung. Von Bellin  fuhr ich nach Szczecin (Stettin). Auf der Straße gab es wenig motorisierten Verkehr, aber einige Radrennfahrer kamen mir entgegen. An der Grenze erwartete ich eine Kontrolle und hatte schon meinen Impfausweis griffbereit. Als ich die Ländergrenze erreichte rollte ich einfach so nach Polen. So einfach hatte ich mir die Einreise nicht vorgestellt.

 

Bis Szczecin kam ich gut voran in der Stadt routete ich per Navi zum Hauptbahnhof (Główny). Als ich das Gebäude betrat führte mein Weg zum Geldautomaten um die polnische Währung, den Zloty abzuheben. Im Anschluss checkte ich die Bahnverbindung nach Gdańsk (Danzig). Es gab eine Verbindung die ich um 12:50 Uhr erreichen konnte. Am Ticketschalter standen viele Reisende in einer langen Schlange geduldig bis sie an der Reihe waren. Gerade noch  rechtzeitig hielt ich mein Ticket in der Hand und sauste zum Bahnsteig (Plattform). Zwei Minuten vor der Abfahrt erreichte ich den Zug. Sehr zu meiner Verwunderung trug im Fahrradabteil  und im gesamten Zug nicht jeder Reisende eine Maske, allerding kam der Schaffner mit einem Mund-Nasenschutz zur Kontrolle. Nach zwei Umstiegen erreichte ich pünktlich (18:23 Uhr) den Bahnhof in Gdańsk, der Bahnhof war eine einzige Baustelle in der ich nicht gleich den richtigen Ausgang fand. Denn auf meinem GPS standen die Kartenkacheln von Gdańsk und Gdynia nicht zur Verfügung. Bei der Übertragung vom PC auf mein GPS hatte ich diese Städte vermutlich nicht angeklickt. Blöder Fehler, denn so hatte ich Mühe den Weg aus der Stadt zu finden. Zumal in Gdańsk eine Art Stadtfest gefeiert wurde und hier zahlreiche Menschen unterwegs waren. Irgendwann erreichte ich die Stadtgrenze, aber der Weg zum Campingplatz war zeitlich nicht mehr drin. Gegen 21:00 stand mein Zelt auf einer Wiese und ich kochte mir noch etwas zum Abendbrot bevor ich schlafen ging.

 

27.06.2021 Gdańsk (Danzig) – Elbląg (Elbing) 47 km

Recht früh packte ich die Ausrüstung und fuhr in Richtung Osten. Es wurde sehr warm und die Sonne schien bei 34 °C. Parallel zu einer Fernstraße befuhr ich auf vielen Kilometern eine wenig befahrene Straße. Als ich in Elbląg eintraf fuhr ich zu dem Campingplatz im Ort, obwohl es erst Mittag war beschloss ich hier mein Zelt auf zu schlagen. Am Nachmittag bastelte ich mir eine Route für die bevorstehenden zwei Wochen, denn ich wollte aus eigener Kraft wieder nach Hause kurbeln. In einer Bildschirmpause besuchte ich den Ort in dem scheinbar auch ein Stadtfest gefeiert wurde. Elbląg hat 127.000 Einwohner und erhielt ihre Stadtrechte im Jahre 1246. Die Altstadt wurde während des 2. Weltkrieges zu 95 % zerstört. Seit einigen Jahrzehnten wird sie aber stetig wieder aufgebaut. Sehenswert in der Altstadt ist die St. Nikolaus Kathedrale. Sie wurde während der Jahrhunderte mehrmals umgebaut, nach dem Vorbild einer Kirche in Lübeck.

 

Mein Nachbar sprach deutsch und wir kamen ins Gespräch am Ende des Tages brachte er mir dann noch ein warmes Abendessen. Das war ein gelungenes Tagesende…

 

 

28.06.2021 Elbląg – Olsztyn 112 km

Um 7:30 Uhr stieg ich in den Sattel und verließ den Platz. Am 14,5 Kilometer langen Fluss Elbląg (deutsch Elbing) machte ich noch einige Fotos bevor ich die Stadt verließ.

 

Den von mir geplanten Track konnte ich nicht fahren, es war eine vierspurige Straße, ich wich dann auf einen kleinen Umweg aus. Als ich über eine kleine Brücke fuhr entdeckte ich den Oberlandkanal.Ein technische Denkmal mit Weltniveau. Auf einer Strecke von 10 Kilometern zu überwinden Schiffe und Boote einen Höhenunterschied von 100 Metern. Auf speziellen Wagen-Plattformen werden Schiffe und Boote transportiert. Der interessanteste Abschnitt des Kanals befindet sich zwischen Buczyniec  (Buchwalde) und Elbląg (Elbing). Hier bewegen sich die Plattformen durch Gegengewicht, in zwei Richtungen bergab und bergauf, auf Gleisen an einer mit Gras bewachsenen Böschung, sodass die Passagiere in der Mitte des Weges aneinander vorbeifahren.  Die anderen Abschnitte des Kanals sind übliche Kanäle.

 

Auf ruhig gelegenen Wegen und Straßen führ ich durch Alleen, an Feldern und Wiesen entlang. Hier grasten Pferde und Störche waren auf der Suche nach Futter für ihren Nachwuchs.

 

An einer Stelle meines Radweges trat Wasser an die Oberfläche und spülte über den Weg, da kamen mir gleich die Furten in Island in den Sinn. Aber so groß und kalt waren die Wasserpfützen dann doch nicht. Die Landschaft rund um die Stadt Olsztyn ist von den vielen Seen und Wäldern der Masurischen Seenplatte geprägt. Olsztyn (Allenstein) liegt am Fluss Alle, im Osten Polens. Olsztyn gehört mit seinen knapp 180.000 Einwohnern zu den größten Städten in Polen und gilt als ein Universitäts-, Kultur-, sowie Wirtschaftszentrum. Fünf Jahre lang lebte der Astronom Nikolaus Kopernikus auf der 1347 errichteten Burg. Die Burg ist heute die wichtigste Sehenswürdigkeit von Olsztyn. In den Grenzen von Olsztyn liegen 11 Seen und 4 kleine Seegebiete. Am Ufer des Sees Ukiel, auf dem Campingplatz des Pirat Hotels, schlug ich mein Zelt auf.

 

 

29.07.2021 Olsztyn – Mrągowo 114 km 756 hm

Am Morgen stieg ich noch in den See und um 7:15 rollte ich vom Platz, denn es waren hohe Tagestemperaturen vorhergesagt. Die Fahrradwege sind in Olsztyn ausgesprochen gut, an den zahlreichen Zebrastreifen halten die Fahrzeuge sofort an. Kam als Radfahrer gut und sicher durch diese Großstadt. Bei den sommerlich warmen Temperaturen war ich froh über jeden Kilometer den ich durch Alleen fahren konnte. Am Wegesrand sah ich riesige Felder, Wiesen und Moore. Pferde standen auf der Koppel und suchten unter einem Baum ebenfalls den Schatten. Die Kleinstadt Jeziorany (Seeburg) liegt in einem von landwirtschaftlich geprägtem Umland liegt etwa 33 Kilometer nordöstlich von Olsztyn (Allenstein) und 80 Kilometer südöstlich von Kaliningrad (Königsberg). Die Pfarrkirche St. Bartholomäus wurde Ende des 14. Jahrhunderts in Backstein gebaut, das Gewölbe ein Jahrhundert später. Reszel ist eine zauberhafte Kleinstadt im Nordosten Polens, die dank ihrer Sehenswürdigkeiten bekannt ist. Die Kleinstadt liegt etwa 55 km von Olsztyn (Allenstein) entfernt und zieht den Besucher durch ihre mittelalterliche Aura in ihren Bann. Der Stadt Reszel wurde 1337 das Stadtrecht verliehen,

 

Reszel zählt zu den am besten erhaltenen Städten  in der Region mit einer wunderschönen Altstadt. Die Burg Rößel, eine ehemalige Bischofsburg, wurde im 1350 bis 1401 im Stil der Backsteingotik errichtet, Die Burg wurde zu einem Hotel umgebaut, zum Teil ist sie öffentlich zugänglich. Weitere Sehenswürdigkeiten sind Kirchen aus dem 14. und dem 18 Jh. , ein Jesuitenkollegium aus dem 17. Jh., ein Kloster aus dem 18. Jh. und ein Rathaus aus dem 19. Jh., das zwar nicht so alt ist, aber trotzdem sehenswert.

 

Auf einer frisch gemähten Wiese entdeckte ich mehrere Störche, als ich mich ihnen näherte stiegen sie auf und ich konnte diese majestätischen Vögel am Himmel beobachten.

 

Bei herrlichem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen erreiche ich den See Jezioro Czos, in der Nähe von Mrągowo. Auf einem Radweg entlang des Seeufers fuhr ich zu einer Promenade mit Sandstrand. Hier herrschte reges Treiben und ich beschloss auf dem Campingplatz von Mrągowo mein Zelt aufzuschlagen.

 

 

30.06.2021 Mrągowo – Olsztyn 134 km / 776 hm

Als ich Mrągowo verließ steuerte ich noch auf einige Parks zu, in einem gab es eine Wasservernebelung, gut für die Pflanzen in deren Umgebung, dachte ich mir. An diesem Tag wollte ich die masurischen Seen kennenlernen. Hatte für diesen Tag wenig Kilometer geplant und begab mich an die Ufer der zugänglichen Seen.

 

Sehr zu meiner freudigen Überraschung gab es hier auch eine Übernachtungsmöglichkeit auf einem Bauernhof (Agroturystyka Borowe 11) Der Bauernhof liegt in einem kleinen malerischen Dorf Borowe, etwa 12 km von Mrągowo entfernt. Lebensmittel direkt vom Erzeuger wie Bio-Milch, Eier, Obst gibt es dort auch. So einen Platz hatte ich mir auf Sizilien auch schon gegönnt. Auf einem Hinweisschild wurde ich auf den Nationalpark hingewiesen, PFC Lasy Mazurskie ist die zweitgrößte Anlage dieser Art in Polen. Er umfasst eine Fläche von 118 216 ha. Der Masurische Landschaftspark wurde 1977 gegründet, um die Natur der Masurischen Seenplatte zu sichern und zu schützen. Das Wassernetz mit zahlreichen Seen und dem Fluss Krutynia ist das charakteristischste Element der Landschaft und zieht viele Touristen an. Durch lange Alleen fuhr ich weiter. Moore, Seen, Störche und Vieh auf der Weide prägten den Landstrich. Am Himmel entdeckte ich kreisende Greifvögel, es war ein roter Milan.

 

 

Es ging weiter in Richtung Westen und mein Weg führte zwischen den Seen Długim und Domowe Mały direkt zur Burgruine in Szczytno. Die Geschichte Burg mit Wassergraben reicht bis ins Jahr 1350 zurück. Als an der Stelle einer früheren preußischen Festung ein Wehrturm aus Holz errichtet wurde. Die Vorburg war durch eine Wehrmauer mit einem nach innen führenden Tor von der Burg getrennt. Vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges gab es hinter den Burgmauern folgende Ausstattung. Getreidesilo, Keller, Küche, Mälzerei, Pulvermagazin, Kapelle, Dachboden als Fleischlager, Viehzucht, gewöhnlicher Bauernhof , ein Badehaus, eine Speisekammer und eine Holzschnitzerei. Auch 26 Armbrüste und 10.250 Bolzen und 43 Hakenboote wurden hier aufbewahrt. Heute sind ein hoher Turm, der als „Jurand’s Tower“ bekannt ist, ein Teil der Gebäude der Vorburg und ein Wassergraben erhalten geblieben ist.

 

 

Es wurde langsam dunkel am Himmel der Regen ließ nicht lange auf sich warten. Nun brauchte ich einen Platz für die Nacht. Den fand ich, dachte ich mir, aber leider kam es anders. Von der Straße durch den Wald fuhr ich auf eine Lichtung, hier gab es einen Aussichtsturm und einen überdachten Picknickplatz. Genau richtig dachte ich mir und fragte ein Pärchen, dass hier schon am Picknickplatz ihren Grill angezündet hatte, ob es noch Platz für mich gäbe. Kurz darauf kochte schon mein Abendessen auf meinem Benzinkocher. Als das Pärchen den Platz verließ und ich gerade mein Zelt aufstellen wollte, kam eine Gruppe junger Leute mit Alkohol im Gepäck. Um eventuellen Problemen in der Nacht aus dem Weg zu gehen verließ ich den Platz. Fand keinen guten Ort für meine Übernachtung, Regen setzte erneut ein. Gegen 22:00 Uhr traf ich dann in Olsztyn, auf dem CP am Pirat-Hotel ein.

 

 

 

01.07.2021 Olsztyn – Ilawa (Eilau) 105 km / 907 hm

Gegen 4:00 Uhr wurde ich von Sonnenschein geweckt. Sprang noch kurz in den See, packte dann meine Sachen zusammen und fuhr aus der Stadt. Mein Radweg endete neben einer Schnellstraße. Einen alternativen Radweg in Richtung Westen fand ich in der Nähe. Es ging auf einem unbefestigten Weg durch Wälder. Ein schöner Radweg direkt durch die Natur, in der es Blau- und Walderdbeeren gab. Ein Schmetterling stattete mir einen Besuch ab, Libellen sausten durch die Luft und Vögel zwitscherten um die Wette.

 

Die Trockenheit hat den Waldwegen die Feuchtigkeit entzogen, immer dort wo die Sonne ungehindert auf den Weg schien, musste ich mein Fahrrad durch den losen Sand schieben. Eine anstrengende Prozedur die sich häufig wiederholte.Zwei Radfahrer kamen mir auf diesem Weg entgegen. Sie berichteten von Ihrer Tour durch Polen, folgten dem Camino-Symbol (dem Jakobsweg Görlitz – Kaunas), von Görlitz bis an einen nordöstlichsten Punkt in Polen, der Stadt Sejny. Die jungen Leute interessierten sich für meine Ausrüstung und wollten auch wissen wie ich navigiere. Sie hatten wenig Gepäck dabei, konnten dadurch wohl auch besser durch die Sandpassagen kommen. Nach einem kurzen Austausch fuhren wir weiter. Von weitem sah ich einen Kirchturm, er gehört zur Kirche von Gietrzwałd.

 

Die Kirche von Gietrzwałd in Kociołek Szlachecki (Adlig Kessel) ist eine der 14. Jubiläumskirchen, die zur Erinnerung an die Krönung des Kurfürsten von Brandenburg zum König in Preußen, in Königsberg, im Jahre 1701 errichtet wurde. An diesem Tag hatte ich schon schwierige Wege hinter mir gelassen, jetzt kam noch eine Strecke Kopfsteinpflaster hinzu, aber auch diese Weg endete irgendwann…

 

Überrascht war ich in Rożental, von weitem sah ich eine Holzkirche die mich an die Stabkirchen in Norwegen erinnerte. Es handelt sich um die Pfarrkirche St. Laurentius sie wurde 1761 gegründet.

 

Dann rollte ich in den historischen Ort Ilawa Der Ort ist für seine backsteingotische Architektur bekannt und liegt am Geserichsee, im Zentrum der Eylauer Seenplatte. Auf dem CP hatte Jarec schon sein Zelt aufgestellt, ein Reiseradler der von Poznan bis nach Ilawa radelte. Wir sprachen noch kurz bevor er zum Essen ging und ich meinen Kocher anheizte.

 

 

02.07.2021 Ilawa – Nebro Wielkie 103 km / 457 hm

Das Wetter hielt noch und wir konnten unsere Zelte trocken verpacken, aber für den Tag war eine 89 prozentige Regenwahrscheinlichkeit angesagt. An diesem Morgen fuhr ich auf Asphalt in Richtung Westen. Mein Ziel war der Fluss Wisla (Weichsel) und dann fuhr ich parallel zum Fluss in Richtung Norden. Unterwegs sah ich eine Entenfabrik, fuhr an riesigen Kornfeldern entlang und radelte durch schöne Laubwälder.

 

Bisher blieb ich von  Regenschauern verschont, aber die Wolkendecke wurde dichter. Was ich hier bisher noch nicht erlebt hatte. Autofahrer hupten mich an, nicht weil ich ein Hindernis war, nein sie streckten mir den aufgestellten Daumen entgegen. Das war Motivation für die weitere Strecke! Irgendwann rollte ich in den Ort Grudziądz (Graudenz), den ersten Blick auf den breiten Fluss Wisla werde ich nicht vergessen. Die Wisla wirkt hier noch naturbelassen und unreguliert. Die Stadt Grudziądz besitzt eine sehenswerte Altstadt. Bei einem Blick von der von der Wisla prägen alte  Speicher das Stadtbild. Ab hier fuhr ich auf dem Radweg Wislana – Trasa – Rowerowa in Richtung Norden. Langsam setzte Regen ein zunächst stellte ich mich unter und wartete ab, aber es regnete sich ein.

 

In Regensachen fuhr ich dann weiter dabei suchte nach einem geeigneten Platz für die Nacht. Bevor ich in dichter bewohntes Gebiet kam wollte ich übernachten. An einer kleinen Kirche hielt ich und fand auf der Wiese hinter ihr einen geeigneten Platz.

 

 

03.07.2021 Nebro Wielkie – Malbork 73 km / 96 hm

Der Regen ließ am Morgen kurz nach so konnte ich das Zelt noch trocken wischen und verpacken. Zum Frühstück fuhr ich an den nahe gelegenen See, dort gab es überdachte Sitzgelegenheiten, hier sortierte ich meine Sachen und bereitete mein Frühstück zu.

 

Die Wolken wurden immer dunkler und es nieselte wieder. Aber als ich wieder in den Sattel stieg regnete es kaum noch. Auf den Feldern stand das Wasser der letzten Regenfälle. In der Ferne sah ich schon die Dächer und Türme der Stadt Kwidzyn (Marienwerder). Ein Backsteinbau interessierte mich, dafür verließ ich meinen Radweg und fuhr zur Burg. Die Burg Marienwerder war eine Ordensburg des Deutschen Ordens in der ehemals westpreußischen Stadt Marienwerder. Sie diente als Burg, Dom und Bischofsresidenz.1234 wurde Marienwerder vom Deutschen Orden erobert. Bei dem Turm direkt am Berghang außerhalb der Burg handelt es sich um einen Brunnenturm, der auch über eine kleine gemauerte Brücke mit der Burg verbunden ist.

 

Das Wetter hielt sich als ich auf dem Radweg unterhalb des Deiches in Richtung Norden fuhr. Damit ich die Wisla sehen konnte fuhr ich immer mal auf die Deichkrone, um von dort einen herrlichen Blick auf die Wisla und ihre Auenlandschaft zu erhalten. Am Abzweig der Nogat (die Nogat ist ein Mündungsarm im Nogat – Weichsel – Delta) stand ich vor einer großen Schleusenanlage. Die Schleusenanlage wurde zwischen 1852 und 1914 errichtet und wurde jetzt in die nationale Denkmalliste eingetragen. Die spannende Landschaft musste ich mir immer wieder ansehen und fuhr auf die Deichkrone machte Fotos von der Wisla.

 

Gegen 16:00 Uhr erreichte ich Malbork (Marienburg), fuhr auf einer langen Brücke über den Fluss Nogat. Von weitem sah ich einige Backsteinbauten rechts den Wasserturm und links die mächtige Ordensburg. Mit einer Vorfreude auf diese Stadt und die Burg fuhr ich auf den Campingplatz. Dort angekommen baute ich mein Zelt, auf ging duschen und machte mich auf den Weg zur Burg. Es dauerte nicht lange und ich hielt das Ticket samt Audio Guide in der Hand. Die Marienburg gilt als größtes Backsteingebäude Europas. Über eine Brücke passierte ich den vorderen Teil der Burg bis ich an das eigentliche Tor gelangte, welches früher eine Zugbrücke über einen Wassergraben besaß. Die Ordensburg in Malbork ist die weltweit größte Burganlage mit einer Fläche von ca. 21 Hektar, ein Prachtstück der Verteidigungs- und Residenzarchitektur des späten Mittelalters. Quelle: https://de.visitmalbork.pl Im Jahr 1997 setzte die UNESCO die Marienburg auf die Liste des Weltkulturerbes.

 

Auf dem Innenhof wurde mir die Dimension dieses Bauwerkes bewusst, noch nie sah ich eine Burg dieser Größe. Hier betrat ich die Innenräume der Burg und sah mir, die für die Besucher zur Besichtigung freigeben Exponate an. Im Burghof gab es gastronomische Angebote und Souvenirläden, einer der Brücke aus konnte ich noch einen herrlichen Blick auf die andere Seite der Burganlage werfen. Mit diesen Bildern und schönen Eindrücken kehrte ich dann zurück auf den Campingplatz. Am Abend traf dann noch eine Familie aus Dresden ein. Wir hatten noch ein kleines Gespräch über unsere Reise und entdeckten einige Gemeinsamkeiten.

 

 

04.07.2021 Malbork – Sopot 91 km 497 hm

Über die gleiche Brücke wie ich gekommen war verließ ich wieder den Ort Malbork. Es ging auf einer belebten Straße in Richtung Wisla. Als ich den Fluss erreichte konnte ich, von einer großen Brücke mit Aussichtsplattform,  noch einen Blick auf die Auweiden der Wisla und den Ort Tczew werfen.

 

Auf einer Brücke überquerte ich eine Autobahn mit Mautstelle. Auf dem Weg folgte eine Baustelle auf die nächste Baustelle. Der Verkehr wurde auf der einspurigen Straße durch Bauampeln geregelt. Nach zahlreichen kleinen Ortschaften fuhr ich durch die Vorstadt von Gydna. Gewerbebiete, Hochhäuser und Parks musste ich passieren bis ich in dem mondänen Badeort Sopot eintraf. Sopot (Zoppot) der Ort ist auch als „Riviera des Nordens“ bekannt geworden. Die Temperaturen sind nicht mit denen in Südeuropa vergleichbar, dennoch soll die Wassertemperatur, dank der 6-8 Stündigen Sonnenscheindauer (Mai-September), wärmer sein als in anderen Ostseebädern. Mir sind die vielen Bauten aus dem frühen 20. Jahrhundert aufgefallen. Villen und das Grand Hotel zeugen von der Bedeutung des Badeortes auch als Kurort. Nachdem ich auf dem Promenaden-Radweg zu meinem Campingplatz rollte beschloss ich mein Zelt aufzubauen und Sopot noch einen Besuch abzustatten. Je näher ich dem Badeort kam umso mehr Trubel gab es dessen Zentrum.

 

Auf dem Platz vor dem Grand Hotel gab es einen Wettbewerb der Hochspringer, die Restaurants und Cafés waren gut besucht. Von dort bog ich nach links zur Seebrücke ab, sie soll mit ihren über 511 Metern eine der längsten Seebrücken der Welt sein. Den Besuch ersparte ich mir, denn am Eingang wurde Eintritt verlangt. Mein Weg führte mich dann zur Fußgängerzone die auf mich wie eine Partymeile wirkte. Viele Menschen schlenderten durch die Straße, die Plätze in der Außengastronomie waren gut gefüllt, Musiker spielten, Künstler boten ihre Bilder an. Für Kinder wurden riesige Seifenblasen in die Luft gewirbelt, Stände mit Andenken und Trödel luden zum Stöbern ein.  An einem Stand wurde ich auf eine Arte Baggett (polnisch Zapiekanka) aufmerksam und gönnte es mir zum Abendessen. Ging, mit dieser halbierten Weißbrotstange belegt mit Schinken und überbackenem Käse, auf einen Hinterhof setzte mich in einen Liegestuhl und genoss die Life Musik. Das fühlte sich für mich jetzt auch schon mondän an.

 

Langsam schlenderte ich zurück machte noch einen Abstecher an den 4 km langen Sandstrand bevor ich zufrieden in meinen Schlafsack schlüpfte.

 

 

05.07.2021 Sopot – Białogóra 86,2 km 346 hm

Am Morgen war das Zelt feucht und die Nacktschnecken waren gerade dabei es sich zu erobern. Wischte das Zelt noch trocken, sammelte die Schnecken ab und fuhr los. Auf mehrspurigen Straßen mit ordentlichen Steigungen bewegte ich mich langsam an die Stadtgrenze. An einer Ampel fragte mich eine MTB-Fahrererin nach meiner Tour, sie berichtete auch von sich und ihrer Leidenschaft so zu reisen. Meine Tour gefiel ihr natürlich auch. Nach 2 Stunden war ich immer noch nicht an der Stadtgrenze angekommen, kaufte in einem Supermarkt noch eine Kleinigkeit ein, als es begann zu Nieseln. Der Regen wurde stärker und entwickelte sich zu einem Platzregen der die Straßen überflutete. Fuhr zu einer Tankstelle und stellte mich für einen Moment unter zog meine Regenjacke über, als ein Pole mich nach meiner Tour fragte. Er fand es gut, auch dass ich nicht die Wolfsschanze als Ziel genannt hatte. Der Regen ließ nach und ich setzte meine Tour fort. Die Regenwasserabläufe konnten die Wassermengen nicht so schnell abtransportieren. Das hatte folgen für mich, denn von jedem LKW, der durch so eine Pfütze fuhr wurde ich geduscht. Für mich ging es auch durch kleine „Wasserstraßen“ die an ein gewisses Furten erinnerten.

 

Gegen 11:00 Uhr ließ ich die Stadt hinter mir der Verkehr nahm nicht ab. Viele Touristen wollten wohl zur Halbinsel Hel. Der Verkehr nervte mich und deshalb beschloss ich auf kleinen Straßen weiter zu fahren bevor ich den Eurovelo 10 erreichte. Als ich den Abzweig zur Halbinsel erreichte und links abbog beruhigte sich der Verkehr. Der Weg führte oft direkt an der Ostsee entlang und es gab immer wieder schöne Ausblicke auf das Meer.

 

In jedem der Seebäder gab es Straßenzüge mit einer Art Vergnügungsmeile und viele Touristen. Nachdem ich den letzten Badeort des Tages hinter mir ließ durchfuhr ich einen Küstenwald. Hier traf ich den Reiseradler Marec, er kam aus Oppole und fuhr einen Rundkurs durch Polen. Wir fuhren die letzten Kilometer zusammen bevor ich auf dem schönen CP von Białogóra mein Zelt aufschlug.

 

06.07.2021 Białogóra – Gardna Mala (Surf Camp) 95 km 441 hm

In der Nacht hatte es geregnet, konnte das Zelt noch trocken verpacken bevor ich den tollen Platz gegen 6:45 Uhr. Rechts vom CP ging es auf einem Waldweg wieder auf meinen Kurs. Der Waldweg führte durch einen schönen Abschnitt, was sich aber bald änderte. Viele Passagen mit losem Sand, für die ich ab und zu aus dem Sattel steigen musste, folgten. Das war bei 30 °C eine schweißtreibende Angelegenheit, bei der ich um 11:00 Uhr erst 17 km zurückgelegt hatte. Als ich an einer asphaltierten Straße ankam beschloss ich zunächst dieser Straße zu folgen. Zurück auf dem Radweg fuhr ich dann einen Kolonnenweg und kam am Słowiński Park Narodowy (Slowinzischer Nationalpark) an. Seit 1977 ist  die Küstenlandschaft mit den größten Wanderdünen Mitteleuropas UNESCO-Biosphärenreservat. Leider habe ich diese Wanderdünen verpasst und fuhr durch ein Moorgebiet. Abwechselnd ging es auf Wiesenwegen und Holzstegen durch das Moor. Auf die sehr hohen Holzstege konnte ich das Rad nur schiebend bekommen, somit dauerte die Fahrt auf dem ansonsten schönen Radweg entsprechend lange.

 

Eine besondere Attraktion stellte das Museumsdorf in Kluki (Klucken) dar. Besucher können dort ein original erhaltenes slowinzisches Fischerdorf mit Fachwerkhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert bewundern. Zurück auf dem Kolonnenweg ging es durch eine Wiesenlandschaft, dann fuhr ich wieder auf Asphalt. Am Straßenrand stand ein Hinweisschild zu einem Campingplatz, das Surf Camp steuerte ich an. In den an einem See gelegenen Campingplatz stellte ich mein Zelt auf und nahm noch ein Bad in dem flachen See.

 

 

07.07.2021 Gardna Mala – Mielno 125 km / 322 hm

Am Morgen zogen dunkle Wolken auf und auch der Wetterbericht hatte eine hohe Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt. Konnte mein Zelt noch trocken verpacken und gegen 7:00 Uhr verließ ich den Platz.

 

Zunächst ging es durch einen schönen Wald, aber bald wurde es ein schmaler Pfad. Dann musste ich aus dem Sattel, an einer Art Wehr überquerte ich eine schmale Brücke. Einen Baum auf dem Weg konnte ich umfahren und stand irgendwann vor einer Brücke. Alle Taschen abgepackt schob ich das Fahrrad auf die Brücke und auf der anderen Seite wieder herunter.

 

Am Fuße des Leuchtturms Jarosławiec machte ich meine Mittagspause. In dem Fischerdorf und Seebad Jarosławiec waren viele Touristen unterwegs, dort drehte ich noch eine Runde zur Küste. Auf einem kleinen Platz gab es originelle Sitzgelegenheiten und eine Bühne. Hier machte ich noch einige Fotos und fuhr weiter. Der Weg führte viele Kilometer direkt an der Küste entlang, bei dieser Aussicht störte mich auch der Kolonnenweg nicht. In der Ferne tauchte die Stadt Darłowo auf, der 24 m hohe Turm ist das Wahrzeichen der Stadt. Folgte dem Fluss Wieprza und fuhr am Südrand der Altstadt zum Residenzschloss. Das Schloss der Herzöge von Pommern aus dem 15. & 16. Jh., welches aus einer Burg aus dem 14. Jh. hervor ging.

 

Gegen 14:00 Uhr begann es zu regnen. Stellte mich noch kurz in einem Park neben der Pfarrkirche unter. Die Pfarrkirche von Bukowo Morskie (deutsch Buckow) in Hinterpommern ist ein gotischer Backsteinbau, der im 14. Jahrhundert erbaut wurde und gehörte zur Klosteranlage Bukowo. Der Regen wurde stärker und ich beschloss in Mielno eine feste Unterkunft zu buchen. Schließlich bekam ich einen alten Campingwagen und konnte meine Sachen über Nacht trocknen.

 

 

08.07.2021 Mielno – Dziwnowek 120 km / 184 hm

Am Morgen war es noch sehr nebelig aber trocken. Meine Tagesetappe führte mich auf Promenadenwegen durch kleine Seebäder und ich befuhr sehr gut ausgebaute Fahrradwege. An einem Strandabschnitt hielt ich und genoss die Aussicht auf die Ostsee. Von weitem sah ich einen Ort und den Leuchtturm mit der Bezeichnung „Latarnia Morska Gąski“. Während einer kurzen Pause setzte sich ein schöner Schmetterling auf mein Fahrrad und genoss den morgendlichen Sonnenschein. Auf dem EV 10 fuhr ich dicht an der Ostseeküste weiter, auf dem Weg überquerten Enten den Fahrradweg vermutlich wollten sie zu dem gegenüberliegenden Teich. Nach einigen Vororten mit Geschäften und Schaustellern kam ich dem Ostseebad Kołobrzeg (Kolbwerg), das von 1361 bis 1610 zur deutschen Hanse gehörte, immer näher.

 

 

In Mrzezyno fuhr ich am Hafen entlang und über eine Brücke ging es durch ein Waldgebiet.Plötzlich tauchte auf der linken Seite eine Schmalspurbahn auf. Sie führt von Gryfice (Greifenberg) an die Ostseeküste und ist mehr als 100 Jahre alt. Am Ortsausgang machte ich noch ein Foto von dem Leuchturm Morska und fuhr weiter durch einen schönen Küstenwald. Der Wind nahm zu als ich an einer Lichtung einen Blick auf den Ostsee nahm.

 

In dem Seebad Dziwnowek baute ich mein Zelt zum letzten Mal auf polnischem Boden auf. In dem schon als luxuriös zu bezeichnenden Campingplatz gab es eine Pforte die zum Strand führte. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen und sprang noch in die Ostsee bevor ich mein Abendessen zubereitete, natürlich in der gut ausgestatteten Küche des Campingplatzes.

 

Leider ist so ein Platz auch gut gebucht, die Gespräche in den Vorzelten drangen bis zu mir ins Zelt. Lange lag ich noch wach bevor mich dann der Schlaf übermannte.

 

09.07.2021 Dziwnowek – Swinoujscie – Ahlbeck – Schwerin 52,2 km / 202 hm

Als ich am Morgen aufstand war es noch trocken als ich das Zelt verpackte. Der Himmel hing voller dunkler Wolken so wunderte es mich nicht, dass der Regen nicht lange auf sich warten ließ. An einem großen See, dem Zalew Kamieński (Camminer Bodden)machte ich noch einige Bilder.

 

Der Straßenverkehr nahm im Laufe des Vormittags zu. Da sah ich einen Radweg durch den Wald. Den nahm ich und fuhr ein Stück, aber der Weg erwies sich als nicht gut fahrbar, also zurück auf die Straße. Dann sah ich ein Hinweisschild und auch der schöne alte Baumbestand wies mich auf den Woliński Park Narodowy (Nationalpark Wolin) hin. Das rund 109 Quadratkilometer große Schutzgebiet befindet sich auf Wolin, Polens größter Ostseeinsel. Auf einem weiteren Hinweisschild konnte ich lesen, dass hier auch Wisente in einem Schaugehege leben. Sicherlich hätte ich bei besserem Wetter und mehr Zeit im Gepäck dem Nationalpark einen extra Besuch abgestattet. Von hier waren es nur wenige Kilometer bis Swinoujscie (Swinemünde). Der LKW Verkehr nahm deutlich zu, denn Swinoujscie besitzt einen Fährhafen mit Linien nach Schweden und Dänemark.

 

 

Meine Fähre setzte nur über die Swina über, vom Fähranleger fuhr ich durch Swinoujscie bis zur polnisch-deutschen Grenze. Der Regen wurde immer stärker als ich in Ahlbeck auf Usedom ankam. Daher rollte ich gleich zum Bahnhof und fuhr mit dem nächsten Zug über Züssow, Stralsund und Rostock nach Schwerin. Im Zug hatte ich noch eine tolle Unterhaltung mit den Reiseradlern Maria und Nils aus Flensburg. Gegen 16:00 Uhr traf ich dann wieder in meinem Heimatort ein.