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Am 15.05.2026 flog ich mit meiner Ausrüstung von Hamburg nach Thessaloniki. Dort startete ich am 17.05.2026 meine Fahrradreise, die am 02.06.2026 in Budapest endete. Auf meiner Fahrradreise durch Griechenland, Nordmazedonien, Serbien und Ungarn radelte ich auf dem EuroVelo 11 bis zur Donau und dann weiter auf dem EuroVelo 6 bis Budapest. Während meiner 16 Radel-Tage legte ich 1.500 Kilometer zurück und erkurbelte 7.000 Höhenmeter. Dabei fuhr ich durch beeindruckende Naturlandschaften, entlang herrlicher Flussauen, überquerte Grenzen und besuchte pulsierende Städte. Auf dieser faszinierenden Tour durch den Balkan war der stetig wehende Nordwind mein ständiger Begleiter. Immer wieder hatte ich auch Begegnungen mit wilden Hunden und wilden Autofahrern, die ich mit einem Holzstock auf Distanz hielt.
15.05.2026 Anreise zum Airport in Hamburg und Flug nach Thessaloniki
Mein alter Weggefährte Wolfgang holte mich mit dem Auto ab und wir fuhren zum Hamburger Airport. Dort half er mit, noch das Rad in dem Fahrradkarton zu verpacken, und beim Check-in.
Der Anreisetag war nichts für schwache Nerven. Der Start des Airbusses verzögerte sich um eine gute Stunde. Somit landete der Airbus gegen 20:00 Uhr (Ortszeit) in Thessaloniki. Fahrrad aus dem Karton befreien, zusammenbauen und den Karton zu entsorgen dauerte. Kurz nach 21:00 Uhr fuhr ich vom Airport in Richtung Thessaloniki. Zuvor kontaktierte ich noch den Vermieter meiner Unterkunft, die ich bis Sonntag gebucht hatte. Denn er wollte mir noch den Code für den Zugang zur Wohnung senden. Dann kam eine Entschuldigung, aber leider nicht das Video zum Check-in, sondern nur den Code. Nach ungefähr 14 Kilometern, auf der langen Promenade im Ort, hatte ich einen platten Vorderradreifen. Also Packtaschen runter, Werkzeug raus und den Schlauch wechseln. Als ich an der Unterkunft ankam, fand ich weder den Schlüsselsafe noch die Wohnung. Wollte schon das Haus verlassen. Plötzlich kam ein junger Mann ins Haus und half mir dabei, in die Wohnung zu gelangen. Dazu rief er seine Schwester an und gemeinsam lösten wir das Problem. Puuuuuuh, es war inzwischen 23:30 Uhr.
Nun war ich trotz aller Umstände mit dem Ausgang des Tages zufrieden. Auch wenn das Appartment in der Nähe einer Tankstelle lag.
16.05.2025 Thessaloniki
Auf der Uferpromenade fuhr ich in Richtung Innenstadt. Von hier gab es herrliche Ausblicke auf das Meer. Die 330.000 Einwohner zählende Stadt liegt am Thermäischen Golf und ist nach Athen die zweitgrößte Stadt Griechenlands. Ihre frühchristlichen und byzantinischen Bauten zählen seit 1988 zum Weltkulturerbe.
Auf der linken Seite tauchte ein großer Platz, die Platia Aristotelous, auf. Der Platz wurde nach einem Großbrand 1917 errichtet und bildet heute das urbane Zentrum in Thessaloniki. Umringt von wunderschönen Häusern und Gebäuden luden hier viele Restaurants und Cafés zum Verweilen ein. Hier steht auch eine Bronzestatue von Aristoteles, dem griechischen Philosophen und Namensgeber für den Platz. Zur Promenade, am südwestlichen Teil, öffnete sich der Platz und gab den Blick auf die Ägäis frei.
Mein Weg führte mich in die Einkaufsstraße zum Outdoorladen Petridi Stores, wo ich zwei Gaskartuschen für meinen Kocher kaufte. Fuhr von hier weiter ins Zentrum. Dort befindet sich ein orthodoxes Gotteshaus. Die Kirche zur Heiligen Weisheit, die bereits im 7. Jahrhundert erbaut wurde, gilt als Vorläufer der Kreuzkuppelkirchen. 1988 wurde das Gebäude zum UNESCO-Welterbe erklärt.
Am Ufer des Thermaischen Golfes unweit des Platia Aristotelous erhebt sich „Lefkos Pyrgos“, der Weiße Turm. Der Turm wurde im Osmanischen Reich zur Verteidigung des Hafens von Thessaloniki erbaut. Das Wahrzeichen der Stadt Thessaloniki wurde im 15. und 16. Jahrhundert errichtet und hat eine bewegte Geschichte. Der Weiße Turm diente als Teil einer imposanten Festung, dann als Gefängnis und ist heute ein Museum.
17.05.2026 Thessaloniki – Dojran
91,85 km und 767 Höhenmeter
Die Wohnung verließ ich um 7:15 Uhr und fuhr durch die Stadt in Richtung Norden. Es waren wenige Menschen unterwegs, ich kam gut voran und schnell zur Stadtgrenze. Es ging leicht bergan und ich freute mich, endlich unterwegs zu sein. In Nordmazedonien befindet sich der EuroVelo 11 noch in Planung. Die 210 Kilometer lange Strecke führt grob von Süd nach Nord durch eine hügelige mediterrane Landschaft, und die Städte Valandovo, Negotino, Veles, die Hauptstadt Skopje und Kumanovo verlaufen. Kurbelte durch die weite Landschaft und in der Ferne sah ich eine phantastische Bergsilhouette.
Doch als ich durch einen kleinen Ort rollte, kamen 3 Hunde auf mich zu und bellten mich heftig an. Es waren keine Menschen zu sehen. War mit der Situation etwas überfordert, hatte hier noch nicht damit gerechnet. Versuchte, ruhig zu bleiben, hielt an und stieg vom Rad. Die Hunde kamen näher. Jetzt musste ich etwas tun. Brüllte die Tiere an und hob meinen Arm. Da setzten sie kurz zurück. In diesem Moment schob ich mich voran und fuhr los. Hatte Glück, kein Hund folgte mir. Nach einer weiteren Stunde kamen 2 Hunde von einem Feldweg hinter mir her und bellten. Mit der gleichen Methode konnte ich der Situation entkommen. Mir ging schon ein Gedanke zur Aufgabe der Reise durch den Kopf. Denn ich wollte hier nicht als Hundefutter enden. Im nächsten Ort dann ein Hund, der mir im Weg stand und mich heftig anbellte. Zum Glück kam ich auch unversehrt aus dieser Situation. Das war der Moment, mich mit Steinen und einem Stock auszustatten. Auf dem Weg überquerte eine Schildkröte die Straße, hielt an und trug sie an den Straßenrand. Solche Tiere sieht man in Deutschland nicht, denn auch eine grüne Echse huschte schnell weg, als sie mich sah. Bei Gegenwind und vielen Höhenmetern kurbelte ich zur Grenze nach Mazedonien. Bei Diovani stand ich dann am Grenzposten Griechenlands und wenig später rollte ich nach Mazedonien.
Von da war es nicht mehr weit bis zum Campingplatz in Dojran. Für 5 Euro stellte ich dort mein Zelt auf und ging duschen. Ein anderer Radler kam ebenfalls auf den Platz. Er machte eine Europa-Rundtour und war auf dem Rückweg in die Türkei. Jetzt war es Zeit, meine E-SIM-Karte zu aktivieren. Hatte bisher keinerlei Erfahrung damit. So war es dann doch etwas problematisch, denn ich hatte kein Netz. Fuhr in eine Bar und hatte dort WLAN. Konnte mich informieren und versuchte, ein mobiles Netz einzurichten. Am Ende war es kein Problem, denn die Aktivierung dauerte nur etwas lange und als ich zurück im Zelt war, hatte ich mein gebuchtes Datenvolumen für Mazedonien. Sendete noch eine Nachricht nach Haus und schlief dann ein.
18.05.2026 Dojan – Demir Kapija
84 Kilometer und 448 Höhenmeter
Fuhr früh durch den hübschen Ort Nov Dojran, in dem es sogar Radwege gab. Immer auch mit Blick auf den See.
Dann ging es stetig bergan bis auf 280 Höhenmeter, von dort zum Flüsschen Arka wieder auf 95 Höhenmeter bergab. Nach dem Ort Josifovo sollte und wollte ich nach dem Fluss Vardar rechts abbiegen. Sah dann eine Schotterpiste. Hinter mir rief mich ein Weinbauer zu sich. Er gab mir den Rat, zurückzufahren und links nach Skopje abzubiegen. Dem Rat hätte ich folgen sollen. Fuhr weiter und bog links ab. Damit hatte ich, wie ich erst später bemerkte, einen Umweg von ungefähr 20 Kilometern. Das einzig Positive an der Aktion war die schöne Landschaft, die ich da zu sehen bekam.
In Udovo steuerte ich auf einen Supermarkt zu, um Energie zu tanken. Danach stieg ich wieder in den Sattel und kurbelte durch das Tikveš-Tal mit seinen bewaldeten Berghängen. Soweit das Auge reichte, sah ich diese Landschaft.
Nach dem zweiten Tunnel musste ich einen Weg nach Demir Kapija finden. Dafür fuhr ich links von der Straße ab und stand wenig später an einem Bahnhof. Die Fahrgäste benutzten einen Weg (Trampelpfad) über die Gleise. Das war für mich nicht möglich, ohne alle Radtaschen abzunehmen. Daher suchte ich nach einem besseren Weg, um auf die andere Seite zu gelangen. Fand nach 200 Metern eine mit Wasser geflutete Unterführung.
Nach dem zweiten Tunnel musste ich einen Weg nach Demir Kapija finden. Dafür fuhr ich links von der Straße ab und stand wenig später an einem Bahnhof. Die Fahrgäste benutzten einen Weg (Trampelpfad) über die Gleise. Das war für mich nicht möglich, ohne alle Radtaschen abzunehmen. Daher suchte ich nach einem besseren Weg, um auf die andere Seite zu gelangen. Fand nach 200 Metern eine mit Wasser geflutete Unterführung.
Da fuhr ich durch und nach wenigen Kilometern stand ich auf dem Campingplatz. Die Stadt Demir Kapija liegt am Fuße der spektakulären Demir-Kapija-Schlucht sowie dem Tor zum mazedonischen Weinanbaugebiet.
19.05.2026 Demir Kapija – Veles
75,22 Kilometer und 504 Höhenmeter
Am Morgen wurde ich von Regen geweckt. Der Wetterbericht sah nicht freundlich aus. Temperatursturz von 30 auf 14–16 Grad. Der Nordwind der letzten Tage hatte Regenwolken nach Mazedonien transportiert. Nach dem Start am Camp fuhr ich aus dem Ort. Auf der linken Seite stand ein Hinweisschild zum Weingut Royal Winery Queen Maria (Königin-Maria-Weingut), das 1928 von der serbischen Königin Maria gegründet wurde und bis heute erstklassige Weine produziert.
Der Nieselregen begleitete mich den gesamten Tag. Der Weg führte auf einer Nebenstraße der Autobahn bis nach Veles. In dem Ort Veles angekommen, wuselte ich mich durch den starken Verkehr. Nach einem Kreisverkehr mit Denkmal bog ich rechts zum 5 Kilometer nördlich des Dorfes liegenden See Mladost ab.
Der erste Platz am See, mit der Bezeichnung „Eco Camp“ beschildert, sah sehr verwildert aus. Fuhr weiter und fand dann einen Platz im richtigen Eco-Camp. Die Unterkunft in einem Fass kostete 27 Euro und den buchte ich für eine Nacht. In einer kurzen Trockenphase stellte ich mein Zelt zum Trocknen auf, bevor es weiter regnete. Im Anschluss besuchte ich das Restaurant auf dem Platz für ein Abendessen.
20.05.2026 Veles – Skopje
60 Kilometer und 446 Höhenmeter
Startete um 9:30 Uhr, weil ich noch die Unterkunft zahlen musste. Hier ist es bei Buchungen auf dem Booking-Portal üblich, vor Ort in Euro zu zahlen. Dachte, meine Kreditkarte wäre belastet worden. Erst auf den Hinweis der Betreiber sah ich nach und zahlte per Visa-Card. Leider zu viel, denn bei Booking stand ein günstigerer Preis. Nach Rückfrage beim Chef wurde mir die Differenz in Dinar ausgezahlt. Alles verlief sehr freundlich und mit Entschuldigung. Die Sonne schien, als ich am See entlang aus dem Ort fuhr. Zwischen Veles und Skopje liegt das zentrale Vardar-Gebiet mit seinem mächtigen Jakupica-Massiv mit dem 2.540 m hohen Gipfel Solunska Glava sowie die Bergzüge Goleschnica und Babuna. Dieses zerklüftete Terrain trennt die beiden Städte und ist ein beliebtes Ziel für Outdoor-Aktivitäten. Für mich ging es die nächsten 10 Kilometer mit 4–8 Prozent bergauf.
Natürlich mit lohnenswerter Aussicht und auch vielen Tieren, die mir auf dem Weg begegneten. Darunter waren eine Schildkröte, Greifvögel und grüne Lurche. Der Weg wurde zu einem Schotterweg mit geteerten Flecken. Unter einer Autobahnbrücke wurde der Weg besser. Noch 5 Kilometer holperte ich weiter auf diesem Abschnitt, bis es wieder bergab ging. Mir kam ein Reiseradler entgegen. Es war ein Franzose, der von Paris nach Thessaloniki unterwegs war. Für seine Tour hatte er 5 Wochen eingeplant, berichtete er. Bisher hatte er viel Regenwetter auf dem Weg, teilte er mir noch mit.
Nach rasanter Abfahrt ging es durch Vororte mit Gewerbegebieten und teils schmutzigen Wohngebieten. Gegen 13:00 Uhr stand ich schon an einem zuvor gebuchten Apartment, aber Check-in war erst ab 15:00 Uhr möglich. Fuhr über breite Straßen mit viel Verkehr, aber glücklicherweise gab es auch einige Radwege, ins Zentrum.
Gegründet wurde Skopje von den Römern unter dem Namen Scupi. Auf der rechten Seite tauchte ein Park mit vielen Skulpturen auf. Hier erinnerte mich ein Monument an das Brandenburger Tor. Fuhr weiter zum Porte de Macédoine. Das ist ein moderner Triumphbogen, der an 20 Jahre Unabhängigkeit Nordmazedoniens erinnert und 2011 fertiggestellt wurde. Von weitem sah ich auf dem Mazedonienplatz, dem größten öffentlichen Platz Skopjes, die dominierende Reiterstatue „Krieger“. Das monumentale 22 Meter hohe Denkmal wurde 2011 fertiggestellt und stellt Alexander den Großen dar. Vom weitläufigen Mazedonienplatz fuhr ich zum Wahrzeichen der Stadt, der alten Steinbrücke. Sie verbindet das moderne Zentrum mit dem alten Basar und führt über den Fluss Vardar. Die Steinbrücke stammt aus der Zeit der Osmanen um das 15. Jahrhundert. Gleich daneben befindet sich die besonders prunkvolle Brücke der Kunst und führt zum Archäologischen Museum. Für Geschichtsinteressierte ist das Archäologische Museum Mazedoniens einen Besuch wert. Hier können Besucher in die reiche Vergangenheit des Landes eintauchen. Abschließend fuhr ich durch dichten Verkehr zur Festung Kale, die ich nur von außen besichtigte.
21.05.2025 Skopje – Kupinince
98 Kilometer und 1.210 Höhenmeter
Mein Apartment verließ ich sehr früh, um vor dem Berufsverkehr durch die Stadt zu kommen. Das funktionierte recht gut, aber die wilden Hunde am Straßenrand waren auch schon wach. Ein aggressives Rudel bellte auf der anderen Straßenseite. Die konnten mir aber zum Glück nicht gefährlich werden, da viele Autos auf der Gegenfahrbahn unterwegs waren.
In Kumanovo hielt ich bei einem kleinen Werkzeugladen und kaufte mir einen Besenstiel, den ich noch auf meine gewünschte Länge absägte. Danach folgte eine lange Steigung durch den Ort. Leider gab es keinen Radweg, und so teilte ich mir die Straße mit den Bussen und LKWs. Nach 30 Kilometern erreichte ich den letzten Ort Pelince in Mazedonien, bevor ich über die Grenze nach Serbien rollte. Am Grenzposten, auf der mazedonischen Seite, bellte mich wieder ein wilder Hund an. Mit dem Stock konnte ich den Hund beeindrucken und weiterfahren. Gleich nach dem serbischen Grenzposten hielt ich für eine Mittagspause. Hier gab es tatsächlich den ersten Rastplatz, nur blies der Wind so stark, dass mir sogar die Brotdose vom Tisch geweht wurde.
Fuhr durch eine waldreiche Gegend, in der mich der kleine Fluss Pcinja begleitete. Es wurde bergiger und ab Stavac ging es dann mit 24 Kehren und 4–10-Prozent-Steigungen richtig hoch. Eine beeindruckende Bergwelt tat sich auf. An den Hängen des Kozjak-Berges erreichte ich das orthodoxe Kloster Prohor Pčinjski. Die Anlage liegt nahe dem Pčinja-Fluss und besteht aus einer Hauptkirche, Mönchszellen und mehreren Nebengebäuden, die von Steinmauern umgeben sind. Schöne Aussichten gab es immer wieder, die ich genoss, trotz der 30 Grad Celsius.
Nach 25 Kilometern erreichte ich Kupinince und den sehr gut ausgestatteten Campingplatz Enigma.
22.05.2026 Kupinince – Leskovac
78 Kilometer und 333 Höhenmeter
Gleich nach dem Start rollte ich durch Vranje und auch hier wieder 3 Hunde, die mich aggressiv anbellten. Kam mit der Methode „absteigen und die Tiere verscheuchen“ gut aus der Situation. Fuhr weiter bis zum nächsten Geldautomaten, um Geld abzuholen. Aus heutiger Sicht benötigt man in Mazedonien und Serbien nicht die Landeswährung DINAR. Hier wird die Zahlung per Geldkarte akzeptiert und die Unterkünfte werden bar in Euro bezahlt. Der Weg folgte an vielen Streckenabschnitten der Autobahn. Rechts und links neben der Straße sah ich wieder grüne Berghänge.
Dazwischen fließt bis Dobrotin der Fluss Južna Morava. Bog dann auf einer langen geraden Straße von gut 10 Kilometern nach Leskovac ab.
Eine Besonderheit lag noch auf dem Weg nach Leskovac, in Guberevac. Es ist die Ziegelei „Ciglana Moša“. Dieses Familienunternehmen besteht seit 50 Jahren und hat sich auf die Herstellung erstklassiger, traditioneller Vollziegel aus gebranntem Ton spezialisiert. Setzte meine Reise nach Leskovac fort.
Die Stadt liegt am Fuß des Hisar-Berges und hat knapp 60.000 Einwohner. Dort traf ich gegen 15:00 Uhr bei meinem Gastgeber ein. Packte meine Sachen aus und stattete dem Ort einen Besuch ab.
Eine Besonderheit stellt die Mariä-Geburtskirche in Leskovac, bekannt als Odžaklija, dar. Die Kirche ist aufgrund ihres Aussehens und ihrer bewegten Geschichte ein einzigartiges religiöses Bauwerk auf dem Balkan. Sie wurde mit einem schmalen Eingang in den Boden gegraben, um zu verhindern, dass die Osmanen sie mit Pferden betreten konnten. Nur wenige Meter entfernt befinden sich der Platz der Revolution sowie das Rathaus im modernen Zentrum von Leskovac.
23.05.2026 Leskovac – Paljina
62 Kilometer und 282 Höhenmeter
Der Tag war als halber Ruhetag eingeplant. Vor der Tür meines Apartments wurde schon der Markttag vorbereitet. Als ich mein Fahrrad mit den Packtaschen belud, sprach mich ein Passant an. Er hatte viele Jahre in der Schweiz gearbeitet und konnte Deutsch. Auf die Frage, ob es ihm in der Heimat jetzt besser gefällt, sagte er: „Dem Land fehlt Ordnung.“ Wir verabschiedeten uns freundlich und ich fuhr los. Überquerte den Fluss Veternica in Richtung Stadtgrenze. Auf den teilweise maroden Straßen war viel Verkehr und immer wieder fuhren Fahrzeuge dicht an mir vorbei. Das erzeugte immer ein gewisses Unbehagen. Bei Doljevac sah ich Störche mit ihrem Nachwuchs im Nest.
Ansonsten gab es wenig Abwechslung auf dem Streckenabschnitt. Dann kurbelte ich auf einer langen, geraden Straße bis kurz vor die Stadt Niš. Hier ging es dann bergab in den Ort. In einem Park am Ortseingang machte ich Rast, bevor ich mir die Stadt ansah. Niš hat rund 260.000 Einwohner und ist die 3. größte Stadt in Serbien. Niš blickt auf eine lange Siedlungsgeschichte zurück. Als eine der ältesten Städte des Balkans wurde Niš bereits in der Bronzezeit besiedelt. Zur Zeit der Römer war Niš einer der wichtigsten Militärstützpunkte und mit der Geburt von Kaiser Konstantin dem Großen gewann Niš an Bedeutung.
Fuhr durch die moderne Innenstadt mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten und gelangte zum Hauptplatz, dem Platz des Königs Milan mit dem imposanten Denkmal für die Befreier von Niš. Erreichte dann eine Parkanlage mit einem Brunnen. Auf der rechten Seite konnte ich den Fluss Nišava sehen. Er fließt direkt durch das historische und kulturelle Zentrum von Niš. Das steinerne Tor weckte mein Interesse. Es war der Eingang für die öffentlich zugängliche Festung von Niš. Die Festung ist das historische Herz der Stadt. Diese beeindruckende osmanische Anlage aus dem 18. Jahrhundert erstreckt sich über 22 Hektar und wurde auf antiken römischen Fundamenten errichtet.
Fuhr durch das Tor in die Festung und bestaunte eine Moschee. Sie entstand in den 1520er Jahren unter der Leitung des ottomanischen Gouverneurs und war Teil der Befestigungsanlage von Niš. Die Festung bietet nicht nur einen Einblick in die Vergangenheit, sondern ist auch ein beliebter Ort für kulturelle Veranstaltungen und Konzerte.
Das Camp lag 6 Kilometer von Niš entfernt. Es sah nach Regenwetter aus und so bekam ich eine Dusche, bevor ich das Camp erreichte. Erfreulicherweise war der Platz trocken und ich konnte mein Zelt gleich errichten.
24.05.2026 Paljina – Cuprija
88 Kilometer und 613 Höhenmeter
Nach einem morgendlichen Regenschauer packte ich das Zelt feucht ein und fuhr vom Platz. Bis ungefähr 10:00 Uhr war es windstill wie an den anderen Tagen auch, dann setzte der Nordwind ein und die Sonne schien wieder. Bei den schon am Vormittag erreichten 30 Grad rollte ich durch Donja Trmava.
Auch weil es kaum Höhenmeter gab, kam ich gut voran. Bei Aleksinacki Bujmir gab es dann wieder bergigeres Gelände. Fast gerade verlief der Track von Aleksinac bis nach Deligrad. Folgte dann wieder in einigem Abstand der E 75, bis ich dann bei Pojate die E 75 verließ und auf einer schnurgeraden Straße nach Paracin fuhr. Der Ort liegt im zentralserbischen Tal des Flusses Velika Morava. Hier steuerte ich einen Supermarkt an und machte auf dem modernisierten Hauptplatz noch eine kurze Rast. Die autofreie Fußgängerzone verfügt über eine eindrucksvolle Fontäne sowie schöne Grünflächen. Das gefiel wohl auch einem wilden Hund, der es sich vor meinem Fahrrad bequem machte. Von dem aber keinerlei Gefahr ausging. Nach 13 Kilometern erreichte ich mein Camp.
Es war ein privat geführter Platz, auf dem ich herzlich begrüßt wurde. Dann wurden mir die sauberen Sanitäranlagen und die Zeltwiese gezeigt. Es dauerte nicht lange und ein Paar, auch Tschechien (aus Krakov), baute neben mir ihr Zelt auf. In der Unterhaltung erfuhr ich von ihrem Reiseziel, sie waren auf dem Weg nach Griechenland. Sehr höfliche und freundliche Leute, mit denen ich mich gern austauschte.
25.05.2026 Cuprija – Podzarevac
104 Kilometer und 516 Höhenmeter
Am Morgen war es trocken und mein Zelt war es auch. Nach der herzlichen Verabschiedung von dem Pärchen aus Tschechien fuhr ich 7:15 vom Platz. Der Chef vom Campingplatz wünschte mir, als ich den Platz verließ, auch noch eine gute Reise. In dem Ort Cuprija mit seinen 20.400 Einwohnern, ging es bergauf.
Nach 25 Kilometern erreichte ich Despotovac, der Ort ist von bewaldeten Bergen umgeben und wird vom Fluss Resava durchquert. Über Grabovac ging es nach Medvedja und an einer Eisenbahnstrecke entlang bis Svilajnac. Der Orst Svilajnac wurde 1467 erstmals in Osmanischen Berichten erwähnt. Aber bekannt wurde der Ort durch seine Seidenproduktion, der Name (serbisch Svila steht für Seide). Fuhr in die Innenstadt mit einer schön angelegten Geschäftsstraße. In der Mitte steht die Statue von Stevan Sinđelić. Er war der Führer des ersten serbischen Aufstandes gegen die Osmanenherrschaft von 1804. Svilajnac ist der Geburtsort von Stevan Sinđelić. Nach weiteren rund 50 Kilometern erreichte ich Podzarevac. Machte eine Runde durch das Zentrum der Stadt und gönnte mir einen Eiskaffee. Dann radelte ich zu meinem gebuchten Apartment. Die Tür war schon offen und ich konnte mich gleich häuslich einrichten. Etwas später kam dann die Gastgeberin. Sie fragte ob alles in Ordnung sei und wollte auch gleich die Kosten für das Apartment kassieren.
26.05.2026 Podzarevac – Belgrad
141 Kilometer und 536 Höhenmeter
War wieder früh unterwegs und fuhr zum Ortsausgang. Kurz darauf stand ich an einer Eisenbahnbrücke. Hier sah ich zum ersten Mal ein Schild, das auf den EuroVelo 11 hinwies. Vorsichtig näherte ich mich der Brücke, denn dort lagen 2 Hunde. Zum Glück ließen sie mich ohne das übliche Gebelle passieren.
Gegen 9:00 Uhr erreichte ich die Donau, war aber noch lange nicht am anderen Ufer. Vor der Brücke gab es eine Baustelle. Hier wurde eine Fahrbahn erneuert und der Verkehr mit einer Bauampel geregelt. Als die Ampel auf Rot schaltete, fuhren noch Fahrzeuge los. Da ich gern hinter der Fahrzeugkolonne fahren wollte, um nicht die nachfolgenden Fahrzeuge zu blockieren, fuhr ich als letzter auch noch los. Das wurde dann doch zu einem unerwarteten Problem. Auf der Mitte der Baustelle, die Autos vor mir waren schon weit weg, da tauchte ein Rudel wilder Hunde am Fahrbahnrand auf. Sie folgten mir, wegen ihrer Aggressivität stieg ich vom Rad. Vor mir kam schon die Autokolonne aus der Gegenrichtung. Mir blieb jetzt keine Wahl, schob mein Rad auf die gerade frisch präparierte, zu erneuernde Fahrbahn. Musste meinen Stock nehmen und damit mehrmals drohend auf meinen Packsack schlagen, der auf dem Gepäckträger lag. Das beeindruckte die Hunde wohl für einen Moment, den ich nutzte, um wieder auf das Rad zu steigen. Erst hier merkte ich die klebrige Masse an meinen Schuhsohlen und den Reifen. Eilig fuhr ich weiter. Hinter mir sah ich schon die nächsten Fahrzeuge kommen. Fuhr so schnell ich konnte zum Ausgang der Baustelle. Das war geschafft!! Die nächste Baustelle erwartete mich dann auf der Donaubrücke. Auch hier wurde eine Fahrbahnseite erneuert. Gefährlich wurde es hier auch, nur waren es diesmal die Autos und besonders die LKWs, die mich in einem sehr geringen Abstand überholten. Kam zum Glück heil auf der anderen Seite der Donau an, sah dort ein Schild mit dem Hinweis auf den EuroVelo 6.
Endlich konnte ich die viel befahrene Straße verlassen. Der EV 6 verlief auf der Deichkrone mit Aussichten auf die Donau und die Auwälder und Auwiesen. Der Weg war nicht befestigt und eher ein MTB-Weg. Kurz nach dem 2. Wegweiser war der Deichweg mit einem Schlagbaum gesperrt. Kein Hinweis auf eine Umleitung. Suchte mir dann eigene Wege und nach 1 Stunde fuhr ich wieder auf dem EuroVelo 6, der auf der Deichkrone verlief. Der Weg war mal sandig, mit Schotter ausgebessert, oder ein Wiesenweg. Langsam näherte ich mich einer Straße, auf der ich über eine weitere Brücke nach Belgrad rollte. Auch hier gab es viel Verkehr. Zum Glück waren die Bereiche für Radfahrer von den Autos getrennt angelegt. Am Ende der Brücke konnte ich nach links von der Straße abbiegen. Mein Weg führte zum Campingplatz „Camping Center Belgrade“, kaufte zuvor noch für mein Abendessen ein. Als ich an der Adresse ankam, stand ich vor einem Industriegebiet. Nach Auskunft des Sicherheitspersonals gab es hier keinen Campingplatz. Es war jetzt 16:00 Uhr und ich hatte ein Problem.
Suchte nach weiteren Möglichkeiten und bekam zwei von meinem GPS angezeigt. Der erste Platz lag 9 Kilometer entfernt und der zweite Platz wurde mit 19 Kilometer Entfernung angezeigt. Fuhr dann zum „Kamp Košutnjak“, hatte mich aber nicht sorgfältig genug über den Platz informiert. So bin ich in südöstlicher Richtung über viele Straßen mit 8–12 % Steigung gefahren und habe mich zwischen Bussen, Straßenbahnen und Taxen durch den Verkehr gequält. Kam schon recht erschöpft dort an. Hier gab es eine weitläufige Freizeitanlage, aber keinen Campingplatz. Fragte noch einen Passanten nach dem Platz. Der verneinte auch, ging aber zu einem Gebäude und fragte für mich nach der Möglichkeit, hier mein Zelt aufzubauen. Das war nicht möglich, wie er mir berichtete. Kurz entschlossen drehte ich gegen 18:00 Uhr zum „Camp Dunav“ um. Kurbelte so schnell es ging aus der Stadt und erreichte gegen 19:45 Uhr den Platz. Als ich auf der Zeltwiese mein Fahrrad abstellte, bekam ich eine Einladung eines deutschen Touristen, der hier mit dem WOMO war. Er holte mir ein kaltes Bier und rettete mir damit den Tag. Danke, es gibt sie noch, die freundlichen Menschen. Saß dann eine Weile bei dem Pärchen und meinem Retter an einem Picknick-Table. Baute im Anschluss mein Zelt auf, duschte und bereitete mein Abendessen zu. Gegen 23:30 Uhr endete dann dieser verrückte Tag für mich.
27.05.2026 Belgrad – Novi Sad
99 Kilometer und 469 Höhenmeter
Ließ mir am Morgen noch Zeit, denn ich konnte den Platz erst gegen 8:00 Uhr bezahlen. Nutzte die Zeit und pumpte noch Luft auf, reparierte eine Schraube an der Hinterrad-Packtasche. Fuhr dann zur Rezeption und vom Platz. Auf der Strecke sah ich viele landwirtschaftlich genutzte Flächen. Hier wurden Paprika, Getreide, Mohn, Wein und Obst angebaut. Wie jeden bisherigen Tag setzte gegen 10:00 Uhr wieder der Nordwind ein.
Da hatten es die 12 Reiseradler, die mir entgegenkamen, deutlich besser. Die Temperatur stieg am Rad auf 36 Grad. Da waren kleine Pausen im Schatten wichtig, die ich mir auch gönnte. Kirschbäume am Straßenrand luden mich zur Ernte ein. Da konnte ich nicht wiederstehen und stoppte immer mal für eine kleine Kirschpause. Die Landschaft wurde jetzt wieder etwas bergiger, bevor ich am frühen Nachmittag in der Stadt Novi Sad ankam. Die Straße führte durch ein Stadttor, das wohl einst zur Stadtmauer und der Festung gehörte. In einer Nebenstraße sah ich einen Glockenturm, ein markantes historisches Wahrzeichen der Stadt, der zur Festung Petrovaradin gehört. Fuhr zur Donaubrücke, von der ich einen herrlichen Blick auf die Festungsanlage hatte. Auf 120 ha entstand hier die größte österreichische Verteidigungsstellung auf dem Balkan, ein Bollwerk gegen einen drohenden osmanischen Angriff. Fuhr dann durch ein modernes Neubaugebiet und weiter ins Zentrum von Novi Sad, zur Fußgängerzone Zmaj Jovina.
Am Ende dieser prächtigen Einkaufsmeile gelangte ich zum Platz der Freiheit, dem unumstrittenen Zentrum der Stadt. Auf der linken Seite steht das 1895 errichtete Rathaus und vor dem Rathaus steht eine Statue. Sie erinnert an Svetozar Miletić, der schon in jungen Jahren Bürgermeister der Stadt wurde. Dem Rathaus gegenüber steht die Marienkirche. Die katholische Kirche ist das größte Gotteshaus der Stadt. Im Jahr 1895 wurde die neogotische Kirche eingeweiht. Der Bischofspalast bildet das Ende der Zmaj Jovina. Der Palast wurde 1901 errichtet und damals wie heute begeistert er mit seinen exotisch wirkenden Zierelementen an der Außenfassade. Auf der linken Seite neben dem Bischofspalast steht die Georgskirche. Sie ist das bedeutendste orthodoxe Gotteshaus der von Novi Sad. So eine Stadtbesichtigung ist auch anstrengend, also gab es für mich auf dem Platz der Freiheit noch einen Eiskaffee.
Im Anschluss musste ich ans andere Ende der Stadt fahren, hier hatte ich ein Apartment gebucht. Das Zimmer war für den Preis schon okay. Allerdings gab es in dieser Unterkunft schon gewöhnungsbedürftige Elemente. Schwalben flogen durch das Fenster in das Zimmer und aus der Tür heraus. Da blieb natürlich auch mal Vogelkot liegen.
Es war sehr warm im Zimmer, leider funktionierte die Klimaanlage nicht. In der Nacht schlief ich bei offenem Fenster bei einem ständig brummenden Geräusch eines Aggregates. Dazu kam Gestank, als wenn jemand die Tür zum WC offen gelassen hätte. Am Morgen wurde mir die Ursache dafür klar: Das Haus lag gegenüber einer Kläranlage.
28.05.2026 Novi Sad – Bač
83 Kilometer und 95 Höhenmeter
Die Unterkunft machte mir den Start in den Tag leicht. Zum Ortsausgang hatte ich mich durch das GPS routen lassen. Novi Sad erlebte ich als eine sehr saubere Stadt, die mir auch insgesamt gefiel. Hier gab es sogar Fahrradwege, die mich sicher aus der Stadt brachten. Am Ortsausgang fuhr ich noch an einem riesigen Einkaufszentrum entlang, alles sehr modern hier.
Der EuroVelo 6 folgte dem Verlauf der Donau. Zunächst noch an Gewerbegebieten entlang, später dann mit schönen Aussichten auf den Fluss. Bei Celarevo bog ich ab und fuhr einen Bogen bis kurz vor Backa Palanka. Auf der anderen Seite des Flusses sah ich auf einer Anhöhe hoch über der Donau eine Burg. Der Ort Ilok ist die östlichste Stadt Kroatiens. Die Burg oberhalb von Ilok ist das Schloss Odescalchi. Diese historische Festungsanlage aus dem 15. Jahrhundert beherbergt das Stadtmuseum Ilok sowie die berühmten Weinkeller.
Dann führte der Weg in das Landesinnere zu den Dörfern Karadjordjevo und Mladenovo. Nach 8 Kilometern radelte ich wieder an der Donau entlang bis Backo Novo Selo. Hier hatte ich ein Zimmer in einer Pension, dem B&B Bela Vrba, gebucht. Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, machte ich noch einige Wartungsarbeiten am Schaltwerk des Fahrrads. Dann war Duschen dran und zum Abendessen besuchte ich noch die Gaststätte.
Bestellte mir ein Rumpsteak mit Rosmarinkartoffeln. Auf dem Platzdeckchen gab es Informationen zur Historie des Ortes, der vor dem Ersten Weltkrieg Neudorf an der Donau hieß. Hier fühlte ich mich sehr wohl. Das Personal war sehr freundlich und hilfsbereit. Durfte sogar mein Fahrrad mit aufs Zimmer nehmen.
29.05.2026 Bač – Apatin
104 Kilometer und 98 Höhenmeter
Gegen 7:00 Uhr checkte ich aus und fuhr auf den EV 6. Zunächst war es ein guter Deich-Weg, was sich aber im Tagesverlauf änderte.
Über Feldwege kurbelte ich zu dem Ort Bogojevo, fuhr an zwei Kirchen vorbei und zurück zur Donau. Auf dem Deich stand ein Hinweisschild zu einem Campinggelände. Das sah ich mir in der Mittagspause an. Hier lebten Menschen in Campingwagen, die in einem Waldstück, das direkt am Donauufer lag, standen. Zurück auf dem Deich-Weg staunte ich über einen LKW, der Holz geladen hatte und auch auf dieser Schotterpiste fuhr. Er überholte mich und zog eine lange Staubwolke hinter sich her. Kurz vor Apatin kaufte ich noch Lebensmittel zum Abendessen ein, bevor ich zum Camp fuhr.
Auf dem Platz wurde ich sehr freundlich von Mirko begrüßt. Er ist der Eigentümer des Platzes und bewirtschaftet das Areal mit seiner Lebensgefährtin Maria. Mirko war beruflich 19 Jahre als DJ in Österreich beschäftigt. Wir hatten noch eine angeregte Unterhaltung über verschiedenste Themen, bevor ich am nächsten Morgen vom Platz fuhr.
30.05.2026 Apatin – Bezdan
56 Kilometer und 82 Höhenmeter
Das Zelt war gegen 8:00 Uhr trocken. Nach einem interessanten Gespräch gab es noch eine herzliche Verabschiedung von Mirko. Packte meine Ausrüstung zusammen und fuhr los. Nachdem ich den Ort Budzak verließ, fuhr ich auf guten Straßen in Richtung Kupusina und weiter nach Sombor. Mit 60.000 Einwohnern gehört die noch heute ungarisch geprägte Stadt zu den größeren Orten Serbiens. Sombor besticht nicht nur durch ihre malerische Architektur, sondern wird auch als „grünste Stadt Europas“ bezeichnet. Die ersten Meter, die ich in die Stadt rollte, führten durch einen kleinen Park. Im Zentrum angekommen, fand auf dem Hauptplatz ein Flohmarkt statt. Hier wechselten Spielsachen und Kleidung den Besitzer. Auf der rechten Seite vor dem Platz sprudelte Wasser aus einem Brunnen, der unter schattenspendenden Bäumen stand. Auf der linken Seite befindet sich die Kirche des Heiligen Georg. Durch eine schmalere Straße gelangte ich auf die Kralja-Petra-Straße (so heißt sie; nach König Peter I). Viele historische Gebäude säumen die breite Straße, an deren Verlängerung, schon von weitem erkennbar, die Županija zu erkennen ist. Das Županija-Gebäude beherbergt heute die Stadtverwaltung und befindet sich im Stadtpark, in dem auch das Denkmal des Fürsten Miloš Obrenović steht. Die Fassade des 1889 erbauten Bezirksgebäudes erinnert etwas an die italienische Renaissance. Vom Županija-Gebäude kommend liegt auf der rechten Seite die römisch-katholische Kirche, der ich noch einen Besuch abstattete. In der Kirche befindet sich eine im Jahr 1926 erbaute Orgel, die zu den größten im ehemaligen Jugoslawien zählte. Heute bilden das Kloster und die Kirche König Stephans gemeinsam ein einzigartiges architektonisches Ensemble. Als ich die Stadt in Richtung EV 6 verließ, fiel mir noch ein Gebäude mit 4 Säulen und einem Balkon darüber auf. Dabei handelte es sich um das Nationaltheater Sombor. Es ist als bedeutende Kultureinrichtung Serbiens anerkannt. Das im neoklassizistischen Stil mit barocken Innenelementen gestaltete Theater wurde 1882 gegründet.
Als ich auf dem Weg nach Bezdan war, wurde ich auf eine Wolke aufmerksam. Sie sah aus wie ein Geist, der auf mich herunterblickte. Etwas später stand ich vor einer gesperrten Brücke und musste mir einen alternativen Weg suchen. Das war hier nicht einfach, denn es gab unzählige Nebenarme der Donau. Als ich an der zweiten Brücke stand, musste ich mir eingestehen, dass diese nicht passierbar war, also ging die Suche weiter. Der Weg wurde schlechter. An einem Abzweig fuhr ich geradeaus auf einen Waldweg. Der Weg war leider eine Sackgasse, weil dort Baumstämme waren. Drehte um und fuhr rechts auf einen Feldweg ab, der nicht im GPS und bei Google Maps existierte. Nach 4 Kilometern erreichte ich eine Straße, die mich dann in den Ort Bezdan führte. Dort suchte ich den Campingplatz, leider auch da eine Fehlanzeige. Der Platz war geschlossen und sah heruntergekommen aus.
Das war der Moment, um ein Zimmer im Ort zu buchen. Fand eine preiswerte Unterkunft im Ort, zu der ich gleich aufbrach. Dort wartete ich auf den Vermieter, der gegen 19:30 Uhr eintraf. Die Wartezeit verbrachte ich auf der Terrasse des Hauses, denn das Tor zum Grundstück war zum Glück auf.
31.05.2026 Bezdan – Baja
85 Kilometer und 129 Höhenmeter
Von Bezdan bin ich 8:45 Uhr gestartet. Gegen 9:00 Uhr war ich an der Grenze nach Ungarn. Wie immer an den Grenzposten gab es auch hier einen wilden Hund, der mich gleich anbellte.
Die serbischen Grenzer hatten wohl Spaß an der Attacke des Hundes gegen mich. Da bekamen sie von mir noch einen passenden Spruch zur Schadenfreude. Die ungarischen Grenzer nahmen es sehr genau und so wurden nicht nur meine Personalien, sondern auch meine Packtaschen kontrolliert. Die Frage nach Alkohol und Zigaretten hatte ich schnell verneint, denn als Sportler brauchte ich dafür nicht viel Überzeugungskraft. Was mir sofort auffiel, als ich die ersten Kilometer durch Ungarn fuhr, waren die sauberen Straßenränder. Auf einer Deichstraße setzte ich dann meine Reise fort. Zunächst auf Asphalt, dann wieder auf Schotterpisten. Ein Greifvogel saß auf einem Strohballen. Er ließ mich auf wenige Meter herankommen, so konnte ich noch ein Foto von ihm machen, bevor er wegflog. Über Dunafalva und Szeremle ging es nach Baja. Die Stadt liegt an zwei Flüssen, der Donau und ihrem Nebenarm Sugovica. Die Bevölkerung besteht auch aus Deutschen, den so genannten „Donauschwaben“, die seit dem Ende des 17. Jahrhunderts bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts hier sesshaft wurden. Über eine belebte Geschäftsstraße rollte ich auf den Szentháromság-Platz mit seinem im italienischen Renaissancestil errichteten Rathaus. In der Mitte des Platzes befindet sich eines der ältesten spätbarocken Denkmäler aus dem 18. Jahrhundert, die Dreifaltigkeitsstatue. Der Turm hinter dem Rathaus gehört zur Franziskanerkirche, die 1728–1756 im Barockstil erbaut wurde. Auf dem Weg zum Camp kaufte ich noch für mein Abendessen ein, dann kurbelte ich über die Brücke der Sugovica zum Platz einer Pfadfindergruppe.
Hatte mich im Vorfeld bei Roland angemeldet und durfte mein Zelt hier kostenlos aufstellen. Danke für die Gastfreundschaft, denn ich konnte hier auch duschen und meine elektrischen Geräte laden.
01.06.2026 Baja – Dunaföldvár
94 Kilometer und 124 Höhenmeter
Die Vögel haben mich um 05:00 Uhr geweckt. Packte in Ruhe die Ausrüstung zusammen und fuhr 07:15 Uhr vom Camp. Am Morgen war es nicht mehr so schwül warm wie am Vortag, dafür war Regen angesagt. Also fuhr ich so schnell es die Wege zuließen dem nächsten Camp entgegen. Ab Fajsz hörte der asphaltierte Deichweg auf.
Ein Trecker bog auf den Weg und zog eine Staubwolke hinter sich her. Fuhr dann noch 6 Kilometer auf losen Steinchen und durch sandige Passagen. An der nächsten Abfahrt verließ ich bei Bátya den Deichweg. Auf der M51 setzte ich meine Reise fort um bei Dunapataj wieder auf dem EoroVelo 6 weiter zu fahren. Es fing jetzt an zu Nieseln, überbrückte die Zeit mit meiner Mittagspause in einer Bushaltestelle. Zog dort die Regensachen an und startete in Richtung Solt. Nach 7 Kilometern erreichte ich, auf der anderen Seite der Donau, den Ort Dunaföldvár. Dazu ging es über zwei Donaubrücken und auf der rechten Seite befand sich gleich mein Camp.
Dort fuhr ich hin buchte eine Übernachtung, um dann in den Ost zum Einkaufen zu fahren. Sah mir das Zentrum an bevor ich wieder zum Camp fuhr und mein Zelt aufbaute.
02.06.2026 Dunapataj – Budapest
104,8 Kilometer und 172 Höhenmeter
Gegen 7:15 Uhr startete ich. Es waren wenig Autofahrer auf der Brücke unterwegs und ich konnte entspannt über die Donau fahren. Bis Apostag fuhr ich auf Asphalt dann auf einem Deichkrone die aus einem Grasweg bestand. Bin auf eine naheliegende Straße ausgewichen auf der ich bis nach Dunavecse fuhr. Hier wurde der Weg nicht besser, daher fuhr ich auf der M51 bis Dömsöd. Ab hier gab es einen wunderschönen Abschnitt der direkt, der rechts neben der Ráckevei-Duna entlang führte. Im Ort Ráckeve fuhr ich über die Brücke auf die andere Seite der Ráckevei-Duna bis nach Szent Márton-Templom. Bog dann ab in Richtung Donau bis nach Szigetújfalu.
Über Tököl nach Szigethalom bis ich bei Szigetszentmiklós wieder an der Ráckevei-Duna weiter in Richtung Budapest fuhr. Eine lange Brücke führte mich auf die rechte Seite der Ráckevei-Duna, in den Ort Dunaharaszti. Nach rund 18 Kilometeren an der Ráckevei-Duna gelangte ich über die Vororte und einen Schleichweg nach Budapest. Am Stadion entlang traf ich auf einer breiten Geschäftsstraße ein der ich bis zum Camp Haller folgte.
03.06.2026 Budapest
40 Kilometer und 83 Höhenmeter
Zum Test für den Abreisetag fuhr ich zum Bahnhof und testete die Strecke sowie die Zeit, die ich dafür benötigte. Dafür startete ich um 6:25 Uhr am Camp Haller. Kam rechtzeitig am Bahnhof an, um am nächsten Tag den Zug sicher zu erreichen. Auf dem Rückweg bummelte ich noch durch Budapest. Fuhr durch herrliche Bereiche, die ich noch nicht kannte, bis zur Donau. An der Corvinus-Universität ist eine staatliche Uni mit ca. 15.000 Studierenden. Die Uni wurde 1920 gegründet. Gleich in der Nähe, am Pester Donauufer, befindet sich das Gebäude 11 Fovam Ter. Es ist als Jonas-Gebäude bekannt, weil das Gebäude einem Wal ähnelt. Über die Donau verbindet die grüne Freiheitsbrücke die Stadtteile Buda. Die leuchtend grüne Eisenkonstruktion im Jugendstil wurde zwischen 1894 und 1896 erbaut. Am anderen Donauufer, der Budaer Seite, ragt hoch oben der Budapalast heraus. Er ist das höchstgelegene Gebäude der Hauptstadt und das größte des Landes. Mein Weg führte mich weiter zur Kettenbrücke. Am Ufer der Donau gab es noch das Erinnerungsfoto vor der Kulisse mit Széchenyi-Kettenbrücke und der Fischerbastei. Dazu bat ich einen Herren mit einer Kamera, der dort auch gerade fotografierte.
Die Fischerbastei liegt auf dem historischen Burgberg im Stadtteil Buda und erinnert mit ihren weißen Zinnen, Spitzdürmen und Bogengängen stark an eine Märchenburg. Über die Kettenbrücke fuhr ich auf die Pestseite. Dort hatte ich eine gute Sicht auf das Parlamentsgebäude. Es ist mit seinem 96 m hohen Dom eines der Wahrzeichen der ungarischen Hauptstadt. Mit einer Länge von 268 m und 123 m Breite fasst das Budapester Parlament 700 Räume. Seit der Einweihung im Jahr 1902 ist das Parlament der Sitz der ungarischen Nationalversammlung. Im Gebäude gibt es 700 Räume, zehn Innenhöfe, 29 Treppen und fast 250 Skulpturen. Auf dem Rückweg sah ich mir noch die Talstation der Standseilbahn Budavári Sikló an. Die Standseilbahn wurde 1870 eröffnet und ist die zweitälteste der Welt. Zurück fuhr ich wieder über die Kettenbrücke und rollte langsam zum Camp Haller.
Etwas Merkwürdiges hatte ich auf der Rückfahrt noch erlebt, was ich so noch nicht kannte. Meine Navigation war gestört und ließ mich im Kreis fahren. Das betraf Garmin und auch mein Google Maps. Erst als ich die Abbiegehinweise ignorierte und nach meinem Plan fuhr, kam ich am Camp wieder an.
Hier gönnte ich mir noch ein Bier am Ausschank auf dem Platz. In einem Nebenraum durfte ich zusehen, wie eine Volkstanzgruppe probte. Die Probe lief noch bis 23 Uhr, sodass ich dann auch schlafen konnte.
04.05.2026 Budapest–Berlin–Rostock–Schwerin
Das Heimfahrt-ABENTEUER mit der Bahn.
Budapest – Berlin – Rostock – Schwerin
Während meiner Fahrradreise teilte mir die DB mit, dass der Zug nicht wie gebucht verkehrt, sondern nur bis Berlin eingesetzt wird. Der Zug verkehrt normalerweise von Budapest bis Hamburg-Altona und umgekehrt. Ab Berlin wurde für meine Reise die Zugbindung aufgehoben. Musste also eigenständig eine Alternative suchen und finden. Wegen der begrenzten Anzahl von Fahrradstellplätzen in den ICE- und IC-Zügen sowie der nicht gesicherten Fahrradmitnahme in Regionalzügen glich die Weiterfahrt einem Lotteriespiel.
Pünktlich um 7:30 Uhr fuhr der Raijet in Budapest ab.
Der tschechische Railjet (der ČD – České dráhy) ist ein moderner, bis zu 230 km/h schneller Hochgeschwindigkeitszug, der den internationalen Fernverkehr zwischen Tschechien, Österreich, Ungarn und Deutschland prägt. Er bietet drei Komfortklassen, ein Bordrestaurant und gilt als einer der bequemsten Reisezüge in Europa.
Er hat 12 Fahrradstellplätze und dazu gibt es kostenlose Sitzplätze im Abteil. Ein toller Service.
Hatte noch freundliche Mitreisende im Zugabteil. Ein Paar aus Ungarn (Donauschwaben), das mit seinen Fahrrädern per Zug nach Hamburg reiste. Von dort dann mit den Rädern eine Tour nach Köln planen. Zwei Frauen (aus NRW), die in Prag zustiegen und zuvor den Elberadweg ab Dresden gefahren waren. Die Zeit verging schnell und das Mittagessen im Bordrestaurant war sehr lecker. Böhmische Knödel mit…
Mit einer kleinen Verspätung von 10 Minuten traf der Railjet am Berliner HBF ein.
Nun hatte ich einige Varianten für die Fahrt nach Schwerin. Die Fahrradstellplätze im IC nach Hamburg waren ausgebucht und der Zug mit einer starken Auslastung angekündigt.
Daher erkundigte ich mich bei der DB-Information nach möglichen Fahrradstellplätzen in dem IC nach Rostock. Dort bekam ich keine brauchbare Information. Als der Zug dann einlief, fragte ich den Zugbegleiter und glücklicherweise konnte ich diesen Zug nehmen.
Mit einer 11-minütigen Verspätung traf der Zug dann in Rostock ein. Von hier ging dann um 19:08 Uhr ein Regionalzug nach Hamburg. Der Zug sollte um 23:04 Uhr in Schwerin eintreffen. Leider gab es noch einen ärztlichen Notfall während der Fahrt. Bis der Notarzt am Zug war und der RTW eintraf, dauerte es. Die Weiterfahrt verzögerte sich deshalb um weitere 28 Minuten.
Glücklich traf ich dann gegen 23:34 Uhr auf dem Schweriner HBF ein.
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