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Lofoten Radreise 2011

24.06.2011 – 24.06.2011 – 27.06.2011 Schwerin-Nesna

Die Anreise zum Ausgangsort meiner Radreise erfolgte mit dem Auto. Am 24.06.2011 fuhr ich von Schwerin nach Norwegen und erreichte dort am 26.06.2011 den Ort Nesna. Hier begann am nächsten Tag meine Radreise, indem ich mit dem Postschiff auf die Lofoten übersetzte.

 

27.06.2011 Nesna-Stamsund-Brustranda Sjøcamping

Abfahrt: 5:30 Uhr Nesna (Schiffsreise mit der Hurtigroute)

Ankunft: 19:55 Uhr Stamsund (Schiffsreise mit der Hurtigroute)

Abfahrt: 20:00 Uhr Stamsund (Fahrradtrack)

Ankunft: 21:15 Uhr Brustranda Sjøcamping (Fahrradtrack)

Tagesleistung: 16 km

Nach einer kurzen und nicht wirklich erholsamen Nacht stand ich um 4:00 Uhr auf. Das Zelt war innen und auch außen feucht, also zuerst das Zelt trocken wischen, dann das Frühstück zubereiten. An diesem Morgen brauchte ich viel Zeit, um alles zu verstauen, mir fehlte noch die Routine, die sich üblicherweise erst nach einiger Zeit einstellt. Als ich noch meine Sachen verstaute, sprach mich ein Radfahrer an, der offenbar auch zum Hafen wollte, nur war er schon fertig. Ich schaffte es gerade so, fertig zu werden, und um 5:15 Uhr ging es dann ab zum Hafen, der nur knappe 5 Minuten vom Campingplatz entfernt war. Dort standen schon einige Passagiere und der Radfahrer vom Campingplatz. Es wurde natürlich sofort Kontakt aufgenommen, Ronny kam aus Schweden und wollte auch mit dem Schiff auf die Lofoten.

Pünktlich um 5:30 Uhr legte das Postschiff sanft am Kai an. Zwei seitliche Ladeluken öffneten sich und ein Gabelstapler kam mit einer Palette aus dem Speicher angefahren. Wir sollten die Passagiergangway benutzen, so erfragte es Ronny beim Bordpersonal, gut, dass er sehr gut englisch sprach. Als ich das Rad auf die Gangway schob, stand ich auf einmal vor 8 Treppenstufen, das Schiff legte hier nur für 5 Minuten bis zur Abfahrt an. Bevor ich in Gedanken schon alle Packtaschen von meinem Rad montierte, kam mir ein männliches Besatzungs-mitglied zur Hilfe und wir hatten im Nu das Hindernis genommen. Erleichtert standen wir jetzt im menschenleeren Foyer an der Rezeption, hier bekamen wir die Nachricht, unsere Räder sollen auf das Autodeck. Alles wirkte sehr gelassen und routiniert, wir wurden von einem Besatzungsmitglied per Fahrstuhl zum Autodeck begleitet, um dort unsere Räder für die Überfahrt zu befestigen. Zurück ging es über mehrere Treppen und Gänge zum Foyer, von hier fuhren wir mit dem Fahrstuhl auf die oberen Decks. Nu das Hindernis genommen. Erleichtert standen wir jetzt im menschenleeren Foyer an der Rezeption, hier bekamen wir die Nachricht, unsere Räder sollen auf das Autodeck. Alles wirkte sehr gelassen und routiniert, wir wurden von einem Besatzungsmitglied per Fahrstuhl zum Autodeck begleitet, um dort unsere Räder für die Überfahrt zu befestigen. Zurück ging es über mehrere Treppen und Gänge zum Foyer, von hier fuhren wir mit dem Fahrstuhl auf die oberen Decks. Ronny wollte einen Kaffee trinken gehen und ich an die frische Luft, so trennten sich unsere Wege. Wir wussten, auf dem Schiff würden wir uns an diesem Tag, noch einige Male begegnen. Auf dem obersten Deck angekommen, atmete ich erst einmal tief durch, um diese Zeit war hier kein Passagier zu finden. Ich will nicht lügen, kein munterer Passagier, im Schutz der Deckaufbauten schliefen zwei eingehüllte Gestalten auf ihren Liegen. Das Wetter konnte nicht besser sein, blauer Himmel und Sonnenschein bis zum Horizont.

 

Für mich stand an diesem Morgen meine erste Überquerung des Polarkreises bevor. Mit einer Durchsage wurden alle Passagiere über dieses Ereignis rechtzeitig informiert, und somit füllte sich auch das Deck mit Leben. Am 27.07.2011, um 7:17 Uhr war es soweit, das Postschiff, die “Midnatsol” passierte nahe der Insel Vikingen den Polarkreis, bei etwa 66° 33′ 44′ N. Auf der Insel gibt es gut sichtbar und nachts auch angestrahlt eine Polarkreisskulptur. Die Sonne geht hier am Polarkreis am Tag der Sommersonnenwende nicht unter, diese Erscheinung wird Mitternachtssonne genannt.

Im Laufe der weiteren Reise zog die gewaltige Küstenlandschaft am Betrachter vorüber, in besonderer Erinnerung ist mir die Anfahrt auf eine Gletscherzunge des Svartisen geblieben. Der Svartisen ist mit 370 km² der zweitgrößte Gletscher Norwegens, der Name leitet sich aus dem altnorwegischen Wort “svartis” ab und bedeutet so viel wie “schwarzes Eis”. Damit ist der Kontrast von frischem Schnee zu altem, dunkelblauen Eis gemeint.

Eine weitere Durchsage wies auf einen gebuchten Tagesausflug zum Svartisen hin. Demnach sollten sich die Passagiere vor Grønøy an Bord eines Schnellbootes begeben, das die Teilnehmer durch die Meerengen hindurch bis in den Holandsfjord bringen sollte. Wir verfolgten vom Sonnendeck das Treiben, und als alle Passagiere an Bord des Schnellbootes waren, fuhr das Postschiff weiter an der Gletscherkulisse entlang zum nächsten Stopp. Dort sollten die Ausflügler zurück aufs Schiff gebracht werden. Der Tag an Bord war geprägt von grandiosen Landschaften, die ich auf meiner Speicherkarte festhielt. Die Seeluft machte hungrig und so genoss ich auch einige Angebote an der Speisetheke, und wen traf ich dort? Natürlich Ronny, er hatte wohl das gleiche Bedürfnis. Bei dieser Gelegenheit kamen wir auf unsere Wohnorte zu sprechen. Als ich von Schwerin und Rostock sprach, sagte er: “In der Nähe von Bad Doberan”, da war klar, er war auch auf der Zappanale gewesen, einem einmal im Jahr stattfindenden Open Air Festival. Solch ein Zufall! Leider kann er in diesem Jahr aus beruflichen Gründen nicht dabei sein. Wir sahen uns dann später noch im Computerbereich wieder, dort wollten wir beide noch einen Blick auf die aktuelle Wetterkarte werfen.

 

 

In Bodø hatten wir einen längeren Zwischenstopp, bevor es weiter in Richtung Lofoten ging. Die Lofoten-Kette sah vom Wasser aus schon sehr beeindruckend aus, aber bis zur Ankunft in Stamsund mussten wir uns noch etwas gedulden. Die Überfahrt gelang an diesem Tag nicht planmäßig und so kamen wir mit einer Verspätung von 20 Minuten dort an. Kurz nach der Ankunft tauschten wir noch gute Wünsche aus, bevor Ronny in Richtung Süden fuhr, meine Reise ging nach Norden. Es war schon 20:00 Uhr und ich wollte noch den Campingplatz Brustranda Sjøcamping erreichen. Der Platz lag an einem schönen See, und als ich ankam, bereitete ein Pärchen aus Kiel gerade das Abendbrot vor, sie waren auch mit dem Schiff angekommen. Wir hatten noch eine nette Unterhaltung, bevor ich mein Abendessen genoss. Als ich herzhaft in mein Brot biss, stand plötzlich jemand neben mir. Es war Ronny, seine Unterkunft in südlicher Richtung hatte nicht geöffnet und so war er jetzt hierher gefahren. Er erkundigte sich nach den Duschen und baute sein Zelt auf der gegenüberliegenden Seite auf.

 

 

28.06.2011 Brustranda Sjøcamping-Sandsletta

Abfahrt: 8:00 Uhr

Ankunft: 18:30 Uhr

Tagesleistung: 100 km

Da ich am Abend den Platzeigentümer nicht mehr angetroffen hatte, wollte ich am Morgen meinen Obolus entrichten. Leider war es zu früh, die Öffnungszeit 9:30 Uhr stand auf einem Zettel, sowie eine Telefonnummer, am anderen Ende der Leitung sprang nur der Anrufbeantworter an. Da es dunkel am Himmel über den Bergen wurde, beschloss ich zu fahren. Allerdings verabschiedete ich mich noch zuvor von Ronny und wünschte ihm eine gute Tour.

Die Tagestemperatur am Morgen betrug, bei aufziehendem Regen, satte 17° C, gegen 10:00 Uhr prasselte es dann los. Das Wetter blieb auf der Tagestour regnerisch und meine Eindrücke waren es auch. Von der E 10 ging die Straße Nr. 816 zum Ort Henningsvær ab, dem ich unbedingt einen Besuch abstatten wollte. Henningsvær, das auf einer Inselgruppe südlich der Kommune Vågan liegt, ist über eine Hochbrücke mit Austvågøy verbunden. Das kleine, ursprünglich wirkende Fischerdorf mit seinen dicht aneinandergereihten Häusern und dem Fischereihafen wird auch als Venedig des Nordens bezeichnet. Im Winter herrscht hier im Hafen, wenn der Kabeljau zum Laichen kommt, Hochbetrieb. Davon ist heute nicht viel zu spüren, nur wenige Touristen schlendern durch die Fischersiedlung und betrachten die Auslagen von kleinen Keramik- und Kunstgewerbeläden. Als es erneut zu nieseln begann, fuhr ich zurück auf die E 10, um das 24 km entfernte Svolvær anzusteuern.

 

Einen Lichtblick gab es dann doch, vor Svolvær wurden Radwege neben der E 10 angelegt, somit konnte ich dem nassen Stress auf der “Inselautobahn” entgehen. Bilder von der Landschaft und der Lofoten-Kathedrale beschloss ich auf meiner Rücktour zu machen, immer in der Hoffnung auf besseres Wetter. In Svolvaer absolvierte ich eine kleine Stadtrundfahrt und sah mir den Hafen mit den Ausflugsschiffen zum Trollfjord an, anschließend fuhr ich noch eine Kleinigkeit einkaufen. Die Verschnaufpause tat gut und dem Regen für einen Moment zu entkommen war auch sehr angenehm, aber ich wollte weiter nach Norden. Auf der E 10 ging es dann noch für ca.12 Kilometer Richtung Norden, bevor ich in Richtung Laukvik auf eine Nebenstraße abbog.

Nach weiteren 26 Kilometern, nordwestlich von Svolvær, erreichte ich gegen 17:00 Uhr den Campingplatz Sandsletta. Als ich mein Zelt aufbaute, machte der Regen eine kleine Pause, nach dem Abendbrot bekam ich noch eine nette Einladung. Camper aus einem Wohnmobil in der Nachbarschaft luden mich noch auf ein Gläschen Wein ein, es waren Holländer auf dem Rückweg vom Nordkap. Sie hatten eine Panne, die Lichtmaschine war defekt, hier warteten sie auf andere Fahrzeuge ihres Vereins. Mit diesem Verein gingen mehrere Familien auf Nordtour, berichteten sie. Eine Besonderheit war der Service von der Autowerkstatt: Um 24:00 Uhr klopften sie an das Fahrzeug, um die Reparatur auszuführen, die Mittsommernacht machte es möglich.

 

29.06.2011 Sandsletta-Tengelfjord

Abfahrt: 8:30 Uhr

Ankunft: 18:30 Uhr

Tagesleistung: 109 km

Als ich abfuhr, waren die Holländer noch nicht hoch, wir hatten uns vorsorglich schon am Abend verabschiedet. Mein Zelt war trocken, als ich es verpackte, das rief ein wenig Wohlbehagen bei mir hervor, denn auch meine Kleidung lag frisch gewaschen und getrocknet in den Packtaschen. Die Strecke ließ sich gut fahren, da es keine Hauptstraße war, gab es auch wenig Autoverkehr. Von einer angrenzenden Weide drang leiser Glockenklang herüber, sehr zu meinem Erstaunen trugen hier die Schafe Glocken um ihren Hals.

Auf dem Weg zur Küste fuhr ich an einem Gebäude mit der Bezeichnung Polarlightcenter vorbei, das hatte wohl eher in einer anderen Jahreszeit seine Bedeutung. An der Küste wehte ein leichter auflandiger Wind und an einem windgeschützten Felsen packten Radfahrer gerade ihr Zelt zusammen. Diese Landschaft wirkte beruhigend auf mich und ich hielt inne, um den Blick auf das Meer zu genießen.

Der Wetterbericht, der in der Rezeption auf dem Zeltplatz Sandsletta ausgelegen war, versprach einen teilweise sonnigen Tag, das entsprach nicht den mir bekannten Vorhersagen. So war ich unsicher, in welche Richtung ich weiter fahren sollte. Bei gutem Wetter wollte ich nach Digermulen fahren, so war mein Plan. Wann war gutes Wetter?  Die Besiedlung nahm in Richtung Fiskebøl zu und ich hatte eine Entscheidung zu treffen. Also fuhr ich auf der E 10 in Richtung Digermulen, von der einzigen Landverbindung war mir bekannt, dass es hier den Sløverfjordtunnel gab. Das schmeckte mir nicht so recht, aber einen anderen Weg gab es nicht. Einen Leckerbissen gab es schließlich noch, die Raftsundbrücke. Der Raftsund ist eine Wasserstraße, welche die Vesterålen mit den Lofoten verbindet. Vom Raftsund gelangt man in den bekannten Trollfjord, den die Schiffe der Hurtigroute regelmäßig als Höhepunkt ihrer Lofotenreise ansteuern. Auf diese Landschaft war ich besonders gespannt, von ihr hatte ich im Vorfeld schon einiges gelesen.

Als ich aus dem ersten Tunnel kam, setzte Regen ein und ringsherum wurde es immer dunkler, mein Plan war geplatzt. Ich beschloss, bis zur Brücke zu fahren, ein Foto vom Raftsund zu machen und anschließend mit der Fähre von Hanøy nach Kaljord überzusetzen. Von dort wollte ich zunächst nach Norden bis Sortland und am nächsten Tag weiter nach Melbu, um dann auf der Rücktour bis Digermulen zu fahren. Kaiser Wilhelm der II besuchte ertsmals 1898 Digermulen, unter anderem war er auf dem Digermulkollen (Kaiserberg). In den folgenden Jahren reiste der Kaiser häufiger auf die Lofoten und brachte somit den Tourismus auf die Insel.

Aber auch dieser Plan zerplatze, die Fähre nach Kaljord fuhr erst gegen 17:45 Uhr. Ohne einen besseren Plan zu haben, fuhr ich nun doch nach Digermulen und hoffte, die dichte Wolkendecke würde noch einmal aufreißen.

Wie so oft im Leben gab es hier zufällig einen Campingplatz, den ich nicht auf meiner Karte hatte. Aber zunächst fuhr ich am Raftsund entlang bis nach Digermulen, auf der Strecke befand sich noch ein Wohnmobilplatz mit einem Hinweis auf den COOP-Markt in Digermulen. Perfekt, so konnte ich die Landschaft genießen und am Ende noch Zutaten für eine warme Mahlzeit kaufen.

Leider schickte die Sonne an diesem Tag keinen Strahl auf den Raftsund, so konnte ich mir nur vorstellen, wie schön es hier erst bei Sonnenschein sein mochte.

Pitschnass erreichte ich mein Ziel, den COOP-Markt in Digermulen. Als ich so vor den vollen Regalen stand und rätselte, was ich kaufen solle, wurde ich angesprochen, woher, wohin ich fuhr. Es war ein Landsmann, der schon seit 20 Jahren hier lebte und eine Galerie in diesem Ort besaß. Das Gespräch war freundlich und es gab viele Tipps zum Kauf der mir zum Teil fremden Lebensmittel. Dann sprachen wir noch über Dies und Das, bevor wir den Einkauf fortsetzten. Seine nette Einladung in seine Galerie konnte ich leider nicht annehmen, in meinen feuchten Klamotten wollte ich nur noch zum Camp und ab unter die Dusche. Aber bevor ich abfuhr, sah ich mir in dem kleinen Café neben dem Markt noch einige seiner dort ausgestellten Bilder an. Die waren schon toll, schön eingefangene Lichtspiele der Lofoten.

Jetzt ging es zurück zum Campingplatz, die Aussicht auf eine warme Dusche und ein leckeres Abendessen trieb mich voran. Die Sonne ließ sich zwar nicht mehr blicken, dafür gab es ein anderes Highlight. Als ich über die nächste Anhöhe fuhr, sah ich ein Postschiff, es steuerte auf den Trollfjord zu. Einmalig, dass ich dieses Erlebnis noch auf meinem Speicherchip festhalten konnte. So bekam der verregnete Tag doch noch seine besondere Note. Im Camp angekommen, fiel mir ein Motorrad mit deutschem Kennzeichen auf. Holger war schon einige Wochen unterwegs, er kam aus der Nähe von Halle an der Saale. Wir hatten eine Menge Gesprächsstoff, denn seine bisherigen Reisen fuhr er auch auf einem Bike ohne Motor. Nach meiner warmen Mahlzeit schlüpfte ich zufrieden in meinen Schlafsack.

 

30.06.2011 Tengelfjord-Lyngvær

Abfahrt: 9:30 Uhr

Ankunft: 17:00 Uhr

Tagesleistung: 82 km

In der Nacht setzte heftiger Regen ein, trotzdem oder gerade deshalb schlief ich gut. So kam ich erst um 7:00 Uhr aus dem Schlafsack. Das Zelt war innen und außen komplett nass, so dauerte es bis 9:30 Uhr, um reisefertig zu werden. Am Fahrrad fehlte noch etwas Öl am Antrieb sowie am vorderen Seitenständer. Nun verabschiedete ich mich noch von Holger und schon ging es los. Der Regen ließ nach, der Himmel sah immer noch sehr dunkel aus. Nach dem Abschied aus der Kommune Raftsund erwarteten mich noch 3 Tunnelfahrten, die ich auf dem Hinweg schon kennengelernt hatte.

An diesem Tag kam alles anders als erwartet. Obwohl ich vorsorglich meine Regensachen trug und für diesen Tag auch schlechtes Wetter angesagt war, regnete es die ganze Tour überhaupt nicht mehr. Nach meiner letzten Durchfahrt am Sløverfjordtunnelen (Länge 3340 m, unter dem Sløverfjord – 112 Meter unter dem Meeresspiegel), bog ich auf die E 10 in Richtung Svolvær ein und hatte Rückenwind. Kurz vor der Hauptstadt der Lofoten kam dann noch die Sonne heraus. Als ich in Svolvær ankam, traf ich auf Ingrid und Rolf, die in 3 Monaten zum Nordkap fuhren. Nach einem längeren Gespräch gab es noch ein Erinnerungsfoto auf dem Marktplatz und ich versprach, ihnen das Bild zuzusenden. Kurz darauf sagte jemand Hallo, es war Holger, er hatte einen Defekt an seinem Motorrad. Aus diesem Grunde war er auch in Svolvær und versuchte die Maschine in einer Werkstatt reparieren zu lassen. Das Problem konnte jedoch hier nicht behoben werden, weil ein Ersatzteil fehlte. Die Touristeninformation organisierte Holger eine Fahrt nach Bodø, damit ihm dort geholfen werden konnte. Durch die vielen netten Gespräche verging die Zeit wie im Fluge und immer waren es auch die Hinweise über die örtlichen Gegebenheiten, die sehr hilfreich waren. Als ich in Svolvær im Sonnenschein abfuhr, gab es jede Menge Fotomotive, dabei war auch die Lofoten-Kathedrale, wie auf der verregneten Hinreise erhofft.

 

Auf meinem Weg befand sich noch der Ort Kabelvåg, den ich auf der Hinfahrt nicht anfuhr, jetzt aber einen Besuch abstattete. Hier unternahm ich einen Bummel durch den Ort mit seinen verwinkelten Gassen. Zum Gedenken an Øystein Magnusson, der 1103 hier eine Kirche und einige Fischerhütten errichtete, wurde auf einer Anhöhe oberhalb der Ortsmitte ein Denkmal errichtet.

Schließlich kam ich auf dem Campingplatz, den Ingrid mir empfohlen hatte, gegen 17:00 Uhr an. Der Platz war unscheinbar und ohne den Tipp von Ingrid hätte ich ihn wohl nicht angefahren. Bei schönstem Sonnenschein saß ich noch lange draußen bevor ich mich schlafen legte.

01.07.2011 Lyngvær-Ramberg

Abfahrt: 8:00 Uhr

Ankunft: 21:30 Uhr

Tagesleistung: 127 km

Der Morgen begann mit Sonnenschein und blauem Himmel, sollte das ein sonniger Tag werden? Vor der Brücke Kleppstadt, am alten Fähranleger von Lyngvær, stand ein gläsernes Monument auf einem Felsen. Auf meiner Hinfahrt hatte hier ein Bus gehalten und Touristen fotografierten diesen Klotz, von der Straße sah es aus, als würde ein besonderer Felsen in einem Glaswürfel aufbewahrt. Nun wollte ich wissen, was dahinter steckt, warum hielt hier der Bus auf der Hinfahrt? Also hielt ich an und schaute mir dieses Ding von der anderen Seite an. Zu meinem Erstaunen befand sich ein riesiger Panoramaspiegel auf der anderen Seite. Das war es wert hier nachzusehen, die Landschaft wurde auf 3 riesigen Spiegeln abgebildet. Der Künstler Dan Graham, USA, hat diese Skulptur geschaffen, sie ist in Nordland Bestandteil eines internationalen Kunstprojektes, zu dem Künstler aus 15 Ländern eingeladen wurden.

Nach der Überquerung der Brücke bog ich nach rechts auf die Grimsøya, abseits des Verkehrs wollte ich dieses Naturschutzgebiet genießen. Die Strecke war recht flach und schnell kam ich in eine Weide- und Moorlandschaft, die ein Vogelparadies zu sein schien. Weit und breit sah ich an diesem Tag keinen Menschen, nur die Möwen fühlten sich von mir gestört, sie flogen gleich einen Angriff nach dem anderen auf mich. Es war nie gefährlich, wirkte jedoch schon als Bedrohung. Von den Sturzflugattacken konnte ich noch Fotos machen, die diese Situation wiedergeben. An der nächsten Wegkreuzung fuhr ein Lastwagen mit hohem Tempo vorbei, konnte das schon die E 10 sein? Als ich dort ankam, war mir alles klar, hier arbeitete man am Ausbau des Straßennetzes, auf den nächsten fünf  Kilometern wurde grober Schotter aufgetragen und von einer Walze geglättet. Da kam gleich Island-Feeling auf, nur dieses Mal hatte ich keinen Ersatzfaltreifen dabei.

 

Endlich auf der E10 angekommen, nervte gleich der Verkehr, leider gab es keine Ausweichstrecken bis Bøstad. Ein Hinweisschild vor dem Ausgrabungsort Borg weckte mein Interesse auf das hier angekündigte Wikingermuseum, zumal ich noch Zeit aus der verkürzten Nordtour hatte. Wegen des regnerischen Wetters fuhr ich ja einen Track nicht und ließ Sortland und Stokmarknes weg. So nutzte ich jetzt die Zeit für einen Besuch bei den Wikingern. Dieser Ort war so bedeutend, dass die Geschichte der Wikinger nach diesen Funden neu geschrieben werden musste. Im Innern des Museums gab es einen Raum mit Videoinstallationen. Mit dem Audio Guide konnte man dort Informationen zu den Funden und der Lebensweise der Wikinger erhalten. Im Nebenraum, einem kleinen Kino, lief ein Film über die Wikingerzeit. Der folgende Ausstellungsraum war mit Vitrinen ausgestattet, in denen die Fundstücke der Ausgrabungen ausgestellt wurden, diese Funde beeindruckten mich wirklich. Dass zu dieser Zeit solche Gegenstände entstanden sind, ist irre. Jetzt wuchs in mir die Spannung, was sich in dem Innern des Langhauses befinden würde. Dort gab es eine tolle Nachstellung der Lebens- und Arbeitsweise, in passender Kleidung wurde das Weben und Spinnen demonstriert. Ein Lamm-Eintopf wurde auf einer offenen Feuerstelle zubereitet. Am nächsten Stand gab es Helme, Kettenhemd, Schwert und Schild zur Anprobe, damit konnte man sich eine Vorstellung von dem Gewicht der Ausrüstung eines Wikingers machen. Der Nachbau eines Thrones für den Stammeskönig stand am Ende des Raumes, doch wo befand sich das Schiff? Vor dem Langhaus gab es einen Weg zu der Ausgrabungsstätte, am Ende des Weges fand ich ein Schild mit dem Hinweis auf das Schiff, das sich in 1,4 km Entfernung an einem See befand.

Auf dem Weg dorthin gab es noch einige Gewerke zu bestaunen, Schmiede, Eisenherstellung, und Kinder konnten mit Pfeil und Bogen schießen (unter Aufsicht natürlich). Das prächtige Schiff, ein Nachbau nach dem hiesigen Fund, hatte den langen Anmarschweg gelohnt.

 

Trotz fesselndem Geschichtsunterricht hatte mich irgendwann die E 10 wieder. Bei trockenem Wetter fuhr ich weiter und wollte noch bis Ballstad kommen, um von dort mit der Fähre über den Nusssundfjord, überzusetzen. Die Radreisenden Ingrid und Rolf aus Svolvær hatten mir von einem eventuellen Verbot durch den 1780 m langen Nappstraumen-Tunnel zu fahren berichtet. So kam ich in dem schönen Fischerdorf Ballstad an, in dem Ort gab es zwar eine kleine Marina mit der Möglichkeit zu zelten, doch auf Nachfrage keine Fährverbindung. Also fuhr ich zurück nach Leknes, auf meiner Karte war dort ein Campingplatz eingezeichnet, dort wollte ich übernachten. Es gab kein Hinweisschild auf diesen Platz, so fragte ich in der Touristeninformation nach, dort bekam ich die Auskunft, diesen Platz gäbe es nicht mehr. Was nun?

Nach Stamsund in eine Jugendherberge fahren, oder einen langen Tag hinlegen?

Mein Entschluss war schnell gefasst, es wurde ein langer Tag und ich fuhr weiter bis Ramberg, denn die gute Nachricht war, der Tunnel war nicht für Radfahrer gesperrt. Auf der E 10 wurde es jetzt etwas ruhiger, der Tunnel war gut beleuchtet und auch ohne Probleme zu fahren. Ab Vareid kam ein schöner Straßenabschnitt, der an der Küste bis Ramberg entlang führte. In der Ortschaft Flakstad, hinter einer Düne, unmittelbar am Meer schlug ich mein Zelt auf.

 

02.07.2011 Ramberg/Flagstad-Bodø

Abfahrt: 9:30 Uhr

Ankunft: ca.24:00 Uhr

Tagesleistung: 50 km + Fähre

Heute sollte laut Wetterbericht die Sonne scheinen, leider war am Morgen davon nichts zu sehen. So spulte ich die Kilometer ab, wollte aber alles mitnehmen, was es auf den Lofoten gab. In Ramberg, am größten Sandstrand der Lofoten, konnte ich dem glasklaren Wasser nicht widerstehen und sprang in das kühle Nass. Nach meiner freiwilligen Abkühlung ging es dann auf der E 10 weiter nach Hamnøya, Reine, Moskenes nach Å . Die kleinen Inseln waren ein willkommenes Fotoparadies für mich, und da ich keine Eile hatte, hielt ich sehr oft an, um meine Kamera in Position zu bringen.

 

Als ich in Moskenes ankam, fuhr ich zum Fähranleger, um den nächsten Abfahrtstermin nach Bodø zu erfragen. Das nächste Schiff fuhr um 19:30 Uhr, dadurch hatte ich noch reichlich Zeit und die wollte ich in Å verbringen. Der südlichste Ort auf den Lofoten besitzt das weltweit einzige Stockfisch- und Heimatmuseum. Dort sah ich mich zwischen traditionellen Gebäuden und Geräten sowie einem Fischkutter um, schließlich kehrte ich in einer alten Bäckerei ein. Dort gab es frischen Kuchen, den ich mir mit einer Tasse Kaffee gönnte. Als ich alles angesehen hatte, fuhr ich gemächlich zurück nach Moskenes und hatte noch 2,5 Stunden Zeit bis zur Abfahrt der Fähre. Die Zeit vertrieb ich mir in der Touristeninformation und am Fähranleger. Vor der Information, oder war es im Café nebenan, traf ich zwei deutsche Radreisende, die noch eine Hütte in Bodø suchten. Denn die Fähre legte gegen 23:40 in Bodø an und sie hatten keine Lust mehr zu zelten, sagten sie. Dann fuhren sie weiter in den Ort. Ich begab mich zum Fähranleger, dort gab es Sitzgruppen wie auf Rastplätzen, hier konnte ich noch meine Reisenotizen bis zur Abfahrt vervollständigten.

Kurz vor der Abfahrt traf ich beide wieder und wir schoben unsere Räder gemeinsam an Bord, es ergab sich, dass wir gemeinsam im Speiserestaurant Platz nahmen. Ab diesem Zeitpunkt bis zur Ankunft in Bodø hatten wir jede Menge Gesprächsstoff rund um das Thema Radreisen und Gott & die Welt. Die beiden kamen vom Nordkap und fuhren jetzt zurück nach Dortmund. In den letzten fünf Wochen hatten Petra und Michael sehr viel gesehen und auch erlebt. Die Zeit verging wie im Fluge und schon hatte uns das Festland zurück. Wir verließen noch gemeinsam das Terminal, verabschiedeten uns und fuhren dann in verschiedene Richtungen davon.

Mein Ziel, der Bodøsjøen Campingplatz, lag am Stadtrand. Gegen Mitternacht und bei strahlendem Sonnenschein baute ich mein Zelt auf. So langsam kehrte hier die Nachtruhe ein und ich beeilte ich mit meiner Wühlerei, außerdem wollte ich am nächsten Tag mit meinem Küstentrack nicht zu spät beginnen.

 

03.07.2011 Bodø-Reipå

Abfahrt: 8:30 Uhr

Ankunft: 19:30Uhr

Tagesleistung: 118 km

Für die kurze Nacht kam ich recht früh auf die Beine und zu meiner Freude gab es strahlenden Sonnenschein. Die Fahrt durch Bodø verlief problemlos, bis ich mich auf einem Radweg in die Irre führen ließ und in einer Sackgasse landete. Von diesem Zeitpunkt an fuhr ich auf der Straße. In dem Ort Løding zweigte die Küstenstraße RV 17 ab, diesen Abschnitt nennt man auch Erlebnisstraße, die Küstenstraße wurde deutlich weniger befahren als die E 10 auf den Lofoten. Mit ihren tollen Ausblicken auf die Fjorde und die schneebedeckten Berge stellt die Straße Rv 17 eine der Hauptattraktionen in Helgeland dar.

 

Ein besonderes Ereignis war der Saltstraumen, er gilt als stärkster Gezeitenstrom der Welt und befindet sich zwischen dem Saltenfjord und den Skjerstadfjord. Eine 50 Meter breite und drei Kilometer lange Meerenge, durch den Wechsel der Gezeiten strömen knapp 400 Millionen Kubikmeter Wasser in die Meerenge hinein und wieder heraus. Die Strömung erreicht eine Geschwindigkeit von 20 Knoten, dabei können mächtige Strudel entstehen, die dann einen Durchmesser von 10 Metern und eine Tiefe von 4 Metern erreichen können. Angesichts der starken Wasserbewegung war ich froh über die 770 m lange Brücke, die den reißenden Strom überspannte.

 

 

An der Gemeindegrenze von Bodø und Gildeskål befindet sich das U-Boot-Denkmal “Uredd”. Neben zahlreichen Auf- und Abfahrten gab es auf der Strecke noch 7 Tunnel und bis Nesna insgesamt 3 Fährüberfahrten. Der dann folgende Campingplatz war auf meinen Unterlagen nicht eingezeichnet, ich beschloss weiterzufahren, der nächste Tag sollte nicht so lang werden.

In Reipå angekommen, baute ein weiterer Reiseradler sein Zelt im Wind auf. Wir hatten genügend zu besprechen, bei der Radreiseerfahrung von Kalle aus Köln. Er berichtete von seinen zahlreichen Touren, die er auch auf anderen Kontinenten unternahm. Am Ende war es gut ihn getroffen zu haben, denn er kannte die Strecke, die noch vor mir lag, fuhr deshalb mit der Schnellfähre von Nesna bis Ørnes. Bekanntermaßen sollte man diesen Streckenabschnitt per Schiff zurücklegen, so haben es andere Radreisende auch beschrieben. Auf dem Streckenabschnitt befindet sich der 7 km lange Svartisen-Tunnel, der für Radfahrer gesperrt ist.

 

Darüber hatte ich mich im Vorfeld nicht informiert und ich wäre auf der Straße 17 bis zum Tunnel gefahren. Nur was dann? Keine Ahnung, wie ich aus dieser Nummer herausgekommen wäre. Solche Tipps sind wahnsinnig gut, ich wäre sonst in die Sackgasse gefahren. Noch mal herzlichen Dank, Kalle.

04.07.2011 Reipå Camping-Hilstad PolarCamp

Abfahrt: 8:30 Uhr

Ankunft: 18:00 Uhr

Tagesleistung: 70 km

Nachdem ich das Camp verlassen hatte, dauerte es nicht lange und ich war in Ørnes, einer kleinen Stadt in der Region Meløy. Von hier sollte die Fähre abgehen, mit der ich den Tunnel umfahren konnte. Zuerst fuhr ich zum Fähranleger, aber irgendwie blickte ich auf dem Fahrplan nicht durch, dann wollte ich eine Touristeninformation aufsuchen. Als ich auf einen größeren Platz kam, standen dort vier Radreisende, die anscheinend hier einkauften. Als ich nach dem Weg, den sie fuhren, fragte, sagten sie: “In Richtung Süden”. Das traf sich gut, denn ich konnte mich anschließen und wir fuhren gemeinsam zum Anleger, denn um 10:15 Uhr legte die Fähre nach Vassdalsvik ab. Die vier Norweger (2 Pärchen) wollten die gleiche Route wie ich fahren und am nächsten Tag auf eine Insel übersetzen. Als wir in dem Ort Vassdalsvik ankamen, wurde mir mitgeteilt, dass nach ca. 20 km eine Mittagspause eingeplant war. Das Wetter konnte nicht besser sein und die ersten Kilometer lagen schnell hinter uns. Als wir an einer Häuslerei ankamen, fragte Ralf, ob wir auf dem Grundstück Mittag essen konnten. Dem wurde stattgegeben, und wie es sich für Skandinavier gehörte, lag der Platz in der prallen Mittagssonne am Bjaerangfjord. Der Höflichkeit halber fragte ich, ob es o.k. sei, wenn ich mich dazu setzte. Darauf antworteten alle: “Es wäre schon gut so “. So richtigen Hunger hatte ich nicht, meine Bockwurst, die ich auch anbot, war nicht die richtige Mahlzeit für die Norweger. Sie bereiteten noch eine Suppe auf dem Kocher zu und wollten mir auch etwas anbieten. Dankend lehnte ich ab, denn nach meiner Bockwurst ging nichts mehr. In der Mittagsrunde fühlte ich mich auch nicht richtig wohl, wie das fünfte Rad am Wagen. So beschloss ich weiter zu fahren und sagte zum vorläufigen Abschied, sie würden mich auf jeden Fall einholen, so schnell, wie sie unterwegs waren. Gelächter …! Denn mit der nächsten Fähre von Forøy nach Agskardet mussten alle übersetzen. Bevor ich meine Reise fortsetzte, machten wir noch schnell ein Gemeinschaftsfoto und dann fuhr ich ab.

 

Der Straßenverlauf zum Fjordende ging schön bergab, das konnte nur bedeuten, dass es auf der anderen Seite wieder genauso bergan gehen würde. Trotz aller Anstrengungen und jedem vergossenen Liter Schweiß, es war die Landschaft wert. An der ersten Fähre angekommen, erwartete ich die Vier, jedoch vergebens. Also nahm ich die nächsten Kilometer allein unter meine Räder. Drei Tunnel waren bis Jetnik zu durchfahren, dabei war der längste, der Straumdaltunnel mit 3200 Metern, auch der unangenehmste von allen. Dunkel, kein Seitenstreifen für Fußgänger oder Radfahrerteil, feucht, und teilweise waren Lampen ausgefallen. Gut, dass es kaum Verkehr auf dieser Strecke gab. Heil und froh kam ich an der letzten Fähre an, die sollte mich nach Kilboghamm bringen. Von meinen Norwegern per Fahrrad war immer noch keine Spur, ich bedauerte ein wenig, dass sie mich nicht einholten.

Von Kilbogham waren es nur wenige Kilometer bis zum Polar Camp in Hilstad. Als ich beim Abendbrot war, kamen sie endlich alle und schon von Weitem gab es ein freundliches Hallo. Als ihr Zelt stand und alle aus der Dusche kamen, ging ich noch einmal zu ihnen, um mir das ungewöhnliche Zelt anzuschauen. Es erinnerte mich an ein Indianer-Tipi. Ralf erklärte, es sei ein traditionelles Rundzelt der Samen, in der Mitte konnte ein Feuer entfacht werden und 6 Personen konnten darin schlafen. Als Schlummertrunk gab es noch einen hochprozentigen Schnaps und dann verabschiedeten wir uns.

 

05.07.2011 PolarCamp Hilstad-Nesna Feriesenter

Abfahrt: 8:00 Uhr

Ankunft: 16:13 Uhr

Tagesleistung: 95 km

Der Morgen auf dem PolarCamp begann früh, denn ich wollte an diesem Tag den Ort, an dem meine Reise begonnen hatte, erreichen. Es sah nicht nach strahlendem Sonnenschein aus, das obligatorische Foto vor dem Eingangschild des Campingplatzes wurde trotzdem noch gemacht. Die Fahrt ging zurück zum Fähranleger und dann weiter auf der Küstenstraße.

Auf einer Anhöhe stand eine Hinweistafel aus Holz mit Angaben zur Polar-Region. Die Aussicht war toll, leider versteckten sich die Berge wieder hinter einem dichten Wolkenband. Gegen 10:00 Uhr setzte dann leichter Regen ein. Die Landschaft wurde etwas flacher und daher gab es auch weniger AAHH Effekte.

In Grønsvik fuhr ich an einem Kriegsschauplatz der deutschen Wehrmacht vorbei, schaute mir noch die 2 Geschütze neben einer Hinweistafel an. Auf dieser Tafel wurde das Gelände mit seinen Baracken und Stellungen beschrieben. Weitere Einzelheiten wollte ich über diesen Ort nicht erfahren und fuhr weiter.

Das erste Teilstück des heutigen Tages war gemächlich gegen das zweite, mit diesen Steigungen hatte ich nicht gerechnet. Ronny hatte schon auf der Hinfahrt auf dem Postschiff von einer anstrengenden Anreise gesprochen.

Er war von Mo I Rana bis Nesna gefahren und hier fuhr ich jetzt auf demselben Streckenabschnitt. Bei meiner Anreise mit dem Auto hatte ich diese Steigungen gar nicht wahrgenommen. Das war wieder einmal der Beweis, mit dem Rad erlebt (erfährt) man die Reise ganz anders.

Fähren gab es nicht, dafür hatte ich noch einige Tunnel zu durchfahren und nach jeder Durchfahrt gab es ein erleichterndes Gefühl gratis. Kurz vor Nesna sah ich im Rückspiegel noch einen weiteren Radreisenden, wollte aber nicht auf ihn warten. Auf dem Campingplatz trafen wir uns dann, er kam vom Nordkap und wollte zurück nach Paris fahren. Ich wünschte ihm noch eine gute Zeit und verabschiedete mich dann von ihm. Denn meine Reise endete leider hier.

 

Meine weitere Planung sah an diesem Tag noch die Abreise mit dem Auto vor, ich wollte noch einige Kilometer in Richtung Trondheim fahren.

Letzter Track vor Nesna

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Lofoten 2011 letzter Track vor Nesna