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Amazonas des Nordens Tour 2015

08.08.2015 Schwerin-Plau am See

Tagesstrecke: 41,8 Kilometer

Kurz vor der Reise beschlossen wir mit dem Zug bis nach Parchim zu fahren. Helmut und ich hatten eine anstrengende Arbeitswoche hinter uns und wollten am Sonnabend nicht gleich diesen riesigen Kannten fahren. Also warteten wir auf den Zug, leider fuhr er nicht wie an Werktagen um 11:00 Uhr, sondern erst um 13:00 Uhr los. Egal die paar Kilometer waren trotzdem kein Problem. Nur der Zugführer hatte uns gleich angeschnauzt als wir in das Fahrradabteil einsteigen wollten. Der Waggon hatte an beiden Eingängen das Fahrradsymbol, aber auf einer Seite befand sich ein Sitzabteil und mit den Rädern hätte man nicht durch den Mittelgang gepasst. Als wir das erkannten wollten wir zum anderen Eingang und mussten uns blöde von dem Zugführer anmachen lassen, sogar die anderen Reisenden und auch die Zugbegleiterin schüttelten nur den Kopf. Abenteuer Bahn!!!

Als wir aus Parchims Innenstadt kamen kurbelten am Ufer des Wockersees entlang. Dann weiter auf dem Mecklenburger Seenradweg durchs Wockertal in Richtung Rom. In Lübz überquerten wir die Elde-Müritz-Wasserstraße und fuhren über Schlemmin nach Plau. Ein Stadtfest lockte viele Leute in den Ort und wir gönnten uns noch ein Eis, bevor wir den Campingplatz am See ansteuerten.

 

09.08.2015 Plau am See-Jabel

Tagesstrecke: 70 Kilometer

08:00 – 16:00 Uhr

Am Ufer des Plauer Sees, schöne Strecke, ging es durch den Wald in Richtung Bad Stuer. Wir gelangten auf dem Mecklenburger Seenradweg nach Rogeez und Dambeck, den wir dann bei Groß Kelle verließen. Ab hier ein Stück auf der Röbeler Straße und wir waren auf dem Müritz Rundweg. Direkt in Seenähe und bei strahlendem Sonnenschein fanden wir einen Pausenplatz im Hafen von Sietow. Hier pausierte auch eine Radreise-Familie mit 3 Kindern, die nächste Generation von Reiseradlern schaffte immerhin schon zwischen 20 und 30 Kilometern pro Tag.

 

 

Am Abend schlugen wir unsere Zelte dann am Jabeler See auf. Beim Aufbau meines Zeltes, gab mit einem lauten Knack, ein Segment des Zeltgestänges nach. Nach dem der erste Schreck verflogen war konnte ich den Schaden, mit der Reparaturhülse schnell beheben. Direkt am Wasser befand sich ein überdachter Tisch mit Bänken und hier konnten wir uns dann dem Abendessen zuwenden. Mit dem Sonnenuntergang verschwanden wir in unseren Zelten.

 

10.08.2015 Jabel-Sommersdorf (am Kummerower See)

Tagesstrecke: 70,3 Kilometer

08:00 – 17:00 Uhr

Bei herrlichem Sonnenaufgang am Jabeler See nahmen wir unser Frühstück ein. Auf dem See gab es keine Regung nur ein leichter morgendlicher Dunst stieg langsam auf, um von den warmen Sonnenstrahlen verputzt zu werden. Wir begannen die Tagestour in Richtung Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide und fuhren von dort weiter am Loppiner See bis Gaarz.

 

 

Ab hier auf der Eiszeitroute, kleine Pause am Blücherhof, lesen der Hinweistafel und weiter. Über Kopfsteinpflaster, Feld-, Wiesen- und Kollonnenwege fuhren wir eine große Runde um den Malchiner See. Zwischen Barz und Burg Schlitz gab es viele schöne Kunstwerke am Weg. Von Wendischhagen dann einen schönen Blick über den Malchiner See. Drei Kilometer vor Malchin gab dann meine Fahrradkette auf, ein Kettenglied ging auf und sperrte sich am Schaltwerk auf. Die Zwangspause war kurz und die Reparatur erfolgreich, so konnten wir nach wenigen Minuten durch Malchin rollen. Hier hatten wir spontane und freundliche Begegnungen mit Leuten auf dem Markt, sie interessierten sich sehr für unser Vorhaben. Vom Zentrum fuhren wir dann zu einem Supermarkt, dort füllten wir unsere Packtaschen mit Proviant für die kommenden Tage auf. Nach vielen Anstiegen, auf dem Radweg neben der Kreisstraße 3, gelangten wir nach Sommersdorf und hier war mit 32 °C wirklich Sommer. Unsere Zelte stellten wir direkt am Kummerower See auf, der Zeltplatz am Ufer des Sees, war als Einsatzort für den Kanadier bestens geeignet.

11.08.2015 Sommersdorf-Wasserwanderrastplatz Trittelwitz

Tagesstrecke: 15.5 Kilometer

10:30 – 18:00 Uhr

Gegen 6:00 Uhr zog ein Gewitter auf es donnerte und regnete etwa eine Stunde, dann war alles schon wieder vorbei. Nach dem Frühstück schoben wir die beladenen Räder ca. 100 Meter weiter, in Ufernähe bauten wir dann den Kanadier auf. Dabei verabschiedeten wir uns von der Familie aus Bremen, die neben uns zeltete.

 

Als wir die Steckverbindungen zusammenfügten fehlte eine Verbindungsschraube. Das hat mir einen so tüchtigen Schrecken eingejagt, dass ich die Tour auf dem Wasser schon für beendet erklärte. Aber Helmut war cool und hatte natürlich recht, eine kleine Schraube konnte unsere Tour nicht stoppen. Nachdem der erste Schrecken verflogen war, kam mir mein kleines Schraubensortiment, welches sich in meinem Werkzeugwickel befand, in den Sinn. Darin fand sich dann auch die passende Schraube und Mutter, die unsere Weiterreise auf dem Wasser rettete. Der kleine Sohn der Bremer Familie hatte schon deutlich mehr Erfahrung beim Paddeln als wir. Und so half er mit, machte einen Seemannsknoten in unsere mitgeführte Leine und blies den zusätzlichen Auftriebkörper auf. Dabei war er nicht nur hilfsbereit, sondern stellte sich auch sehr geschickt dabei an. Nach und nach trafen dann noch weitere Familienangehörige ein, alle wollten sehen, wie wir unsere Räder und Ausrüstung im Kanadier unterbrachten. Während unserer Testfahrt auf der Warnow hatten wir schon die Gepäckaufnahme getestet und so gelang es uns auch hier alles zu verstauen. Es dauerte bis wir alles im Boot hatten und endlich sagen konnten „Leinen los“.

 

Der Kummerower See war spiegelglatt und wir paddelten in Ufernähe über den See. Nach 4 Kilometern machten wir Mittag, dazu steuerten wir auf einen Strandplatz zu und stiegen aus. Auf der Wiese nahmen wir unter einem Baum platz und sahen gegenüber zwei Reiseradler wie sie ihr Zelt zusammen packten. Mit einem Tandem waren sie in der Seenlandschaft unterwegs, berichtete uns die Radfahrerin, die sich interessiert auch nach unserer Tour erkundigte. Bei herrlichem Sonnenschein und glatter See wurden wir mutiger und paddelten jetzt quer über den See nach Verchen. Von hier ging es dann weiter zum Wasserwanderrastplatz Aalbude. Als wir die Einfahrt zur Peene gesichtet hatten waren wir unsicher, war das die Peene, oder nur eine Hafeneinfahrt. Auf einem Steg standen zwei Bootsbesitzer und auf Nachfrage bestätigten sie uns, wir befanden uns auf der Peene. Also paddelten wir weiter dabei fielen uns die vielen Vogelschwärme auf, anscheinend waren wir schon im Vogelparadies. Neben uns startete eindrucksvoll ein Schwan aus dem Wasser und flog über uns hinweg. Nach 12 Kilometern durch die Fluss- und Moorlandschaft legten wir an, das war eine der wenigen Stellen die nicht von einem dichten Schilfgürtel bewachsen war. Als wir aus dem Boot stiegen versanken wir in einem sehr morastigen Uferboden und tasteten uns langsam auf ein Stückchen Wiese vor, hier legten wir dann eine längere Pause ein. Gegen 17 Uhr paddelten wir weiter, die Arme waren schon recht müde, dabei hatte ich die Tagesetappe noch bis Demmin geplant. Zu früh um müde zu werden? Nach einer Weile kam hinter einer Biegung ein Segelschiff zum Vorschein.

 

 

Als wir näher kamen sahen wir auch den langen Steg, an dem es festgemacht war. Auf dem Steg erkannten wir Menschen und auf der dahinter liegenden Wiese standen Zelte. Wir paddelten hin und fragten nach einem Wasserwanderplatz in Demmin. Ein älterer Herr kannte keinen Wasserwanderplatz in Demmin und sagte dort gäbe es eventuell eine Maria, aber ob dort auch ein Zelt aufgestellt werden konnte wusste er nicht. Ein jüngerer Familienvater sprach von ca. 7 Kilometern bis nach Demmin, spontan beschlossen wir hier unsere Zelte aufzuschlagen. Mir gefiel der Wasserwanderplatz Trittelwitz nicht, es lag aber nicht an den örtlichen Bedingungen, sondern an einer Gruppe, die laute Musik hörte und in Bierlaune rumgrölte. Der Abend wurde dann ruhiger als erwartet, denn als das letzte Bier ausgetrunken war, fuhr die Meute mit einem Motorboot davon. Vor dem Abendessen wollten wir noch Wasser holen, wie wir von einer Hinweistafel erfuhren, war die Zapfstelle defekt und deshalb gab es Wasser im Landgasthof Trittelwitz. Die 400 Meter bis zum Ort waren gesäumt von herrlicher Natur, die uns bisher durch die dichten Schilfgürtel, an den Ufern der Peene, verborgen blieb. Zum Wasserwanderplatz Trittelwitz, in dieser idyllischen Landschaft, passte natürlich kein Sanitärgebäude sondern nur ein liebevoll errichtetes Herzhäuschen. Wir genossen jetzt die Ruhe und bereiteten unser Abendbrot zu, die Sonne spendierte ihr letztes Licht des Tages dazu.

12.08.2015 Wasserwanderplatz Trittelwitz-Marina Loitz

Tagesstrecke: 22,3 Kilometer

8:00 – 17:15 Uhr

Der Platz war feucht von der Luft die sich aus der Moorlandschaft mit Wasser angereichert hatte. Ein Morgenrot zum Frühstück, ein paar Sätze mit Paddlern die auch schon ihre Ausrüstung zusammen packten. Es sah alles schon so professionell bei ihnen aus, als ich sie darauf ansprach kam: „Die erste Tour im Kanadier war ein großer Reinfall, wir kamen in ein Gewitter alles war bis auf die Haut durchnässt. Trotzdem gefiel es uns sehr und jetzt machen wir unsere zweite Tour.“ Das hätte ich nicht vermutet. Wir räumten unsere Sachen zusammen und verstauten alles im Kanadier, dann verließen auch wir den Wasserwanderplatz. Irgendwie hatte ich Probleme mit meiner Packtasche, die mir als Sitz diente. Fand keine richtige Haltung und die Sitzauflage rutsche hin und her. Bei der nächsten Gelegenheit legten wir an und ich richtete die Sitzgelegenheit. Ein Paar Paddelschläge weiter, in einem Waldstück, hörten wir laute Stimmen. Wir kamen näher und erkannten badende Kinder mitten im Fluss, in einer kleinen Bucht mit etwas Sandstrand hatte ein Familie Übernachtet, vom Lagerfeuer stieg der letzte Rauch zum Himmel. Das hatte was von einem paradiesischen Ort.

 

Auf der wenig befahrenen Peene konnten wir den Schwärmen von Schwalben zusehen wie sie ihre Mahlzeit erbeuteten. Langsam paddelten wir nach Demmin, hier steuerten wir zu der Marina (es gab tatsächlich auch hier eine Marina mit Zeltwiese), dort machten wir dann eine Pause. Bei einem Rundgang über den Platz erkundigten wir uns nach der nächsten Möglichkeit unseren Proviant aufzufüllen. Wir bekamen einen guten Tipp und bogen rechts in einen Nebenarm ein, legten dort an einem großen Steg an. Von der gegenüberliegenden Seite wurden wir gefragt, ob wir immer noch eine Radpanne hätten. Diesen Spruch hatten wir am Kummerower See losgelassen, als wir gefragt wurden, warum wir paddeln. Die Frau hatte uns wieder erkannt und wünschte uns eine gute Reise. Abwechselnd gingen wir dann einkaufen, als ich aus dem Markt kam fing es an zu regnen. Darauf waren wir nicht richtig vorbereitet uns fehlte eine große Plane. Der Wetterbericht hatte wenig Regen angesagt und somit fiel die Beschaffung einer Plane aus. Wir warteten einen Augenblick und fuhren schließlich im Nieselregen los. Unsere Stimmung war an einem Tiefpunkt, unterwegs fragten wir einen Wassersportler nach der Entfernung zum nächsten Wasserwanderrastplatz. Zwölf Kilometer trennten uns noch von unserem nächsten Schlafplatz, glücklicher Weise hörte kurz darauf auch der Nieselregen auf. Der Fluss mit seinen dichten Schilfgürteln an den Ufern, ermöglichte kaum an Land zu gehen und so paddelten wir durch die “Schilf-Allee” bis wir ein Stückchen trockene Wiese fanden. Den Kanadier zogen wir etwas an Land, kletterten die Böschung hoch, direkt vor uns stand ein Baum mit reifen Mirabellen. So wurde aus der Pause gleich noch eine Obstpause. Ausgeruht und gestärkt paddelten wir weiter, kamen aber nicht sehr weit. Helmut hatte ein dringendes Bedürfnis an Land zu gehen, das Ufer war hier mit Bäumen und dichtem Schilf bewachsen. Da erkannten wir eine Stelle, die es ermöglichte anzulegen, ein Baumstamm lag quer im Schilf, dort stieg Helmut aus. Das klappte noch sehr gut, aber als er zurück ins Boot wollte, da krachte es unter ihm, der Baumstamm gab nach und Helmut klatschte in den morastigen Sumpf. Er verharrte einen Moment, ich befürchtete schon etwas Schlimmes, da rappelte er sich wieder aus dem Schlick. Klatschnass stand er da und hatte wieder irgendwo Halt gefunden. Er zog die nassen Klamotten aus, hängte alles über die Fahrräder und schon ging es weiter. Nach der nächsten Flussbiegung sahen wir einen Wasserwanderrastplatz, steuerten hin und erfuhren durch einen jungen Angler von einer Party, die an diesem Abend stattfand. Der Platz lag gut und wir wären gern seiner Einladung gefolgt und dort geblieben, aber auf eine lärmende Party hatten wir keinen Bock. Wir wollten unsere Ruhe haben und paddelten weiter, die Marina in Loitz war unser nächstes Ziel. Als wir aus dem Waldstück herauskamen sahen wir schon den Kirchturm der Stadt Loitz und nach ungefähr 1,5 Kilometern legten wir in der Marina an.

 

Direkt in dem kleinen Hafen befand sich ein riesiger Speicher, auf seiner Stirnseite befand sich der Eingang zur Marina. Am anderen Ende des Hafens gab es ein hübsches Gasthaus und gleich nebenan ein Sanitärgebäude. Wir luden unseren Kanadier aus und bauten die Zelte auf einer großen Zeltwiese auf, so nach und nach füllte sich der Platz mit weiteren Paddlern. Nachdem die Zelte standen und auch die Wäscheleinen gespannt waren, konnte Helmut seine Klamotten waschen, die er bei dem unfreiwilligen Bad im Moor an hatte. Dann bereiteten wir unser ausführliches Abendessen zu und ernteten interessierte Blicke der anderen Wasserwanderer, die an uns vorbei kamen, um in dem Gasthaus zu speisen.

 

Die Kinder einer Familie, die mit Kajaks unterwegs waren, statteten uns einen Besuch ab. Sie wollten genau wissen was wir da in unseren Kochtöpfen hatten, wir gaben gern darüber Auskunft. Vielleicht würden sie zukünftig auch an dem einfachen „Reiseleben“ gefallen finden.

13.08.2015 Marina Loitz- Gützkow

Tagesstrecke: 16,8 Kilometer

9:00- 15-30 Uhr

Am Morgen machte Helmut noch eine Besorgung in der Stadt und gegen 09:00 Uhr verließen wir dann den Hafen von Loitz. Nachdem die Stadt außer Sichtweite war und wir schon an einigen Seitenarmen der Peene vorbeigepaddelt waren, beschlossen wir in den nächsten hinein zu paddeln. Wir kreuzten zwischen Seerosenfeldern und Wasserlilien, durch scheinbar eines der letzten Rückzugsgebiete für die bedrohte und seltene Pflanzenwelt. Enten stiegen auf und Libellen schwirrten über die Seerosenfelder. Geräuschlos ließen wir uns treiben und beobachteten dabei zahlreiche Fische in dem klaren Wasser. Der Abstecher hatte sich gelohnt. Durch Seerosenfelder und vorbei an Algenteppichen paddelten wir behutsam wieder zur Peene.

 

Auf dem wenig befahrenen Fluss kamen wir nur langsam voran, der sehr seltene Ostwind blies uns entgegen. Mit unseren Rädern beladen hatte der Wind eine gute Angriffsmöglichkeit, so beladen versuchten wir im Windschatten der Schilfgürtel zu paddeln. In der Ferne sahen wir ein Haus es gehörte zum Wasserwanderratsplatz Alt Plestlin. Gleich rechts vor dem Steg gab es eine kleine Bucht, hier legten wir an. Eine überdachte Sitzgruppe war frei, der perfekte Ort für unsere Mittagspause. Es kam noch besser, denn die Zeit war zu fortgeschritten, um noch nach Gützkow zu gelangen. Als wir unsere Mahlzeit einnahmen, wurde in der Bucht ein Kanadier beladen. Eine junge Frau mit 3 Kindern wollte damit auch in Richtung Osten paddeln, wir kamen ins Gespräch. Sie hatte einen Wasserwanderführer dabei und stellte ihn uns für die weitere Planung zur Verfügung. Wir verglichen die Kilometer-Zahlen und stellten erneut fest, Gützkow war an diesem Tag nicht mehr drin. Als sie unser Problem erkannte kamen spontan mehrere Empfehlungen von ihr und so erfuhren wir von einem Rastplatz bei Gützkow. Dann bestieg die junge Familie das Boot und paddelte los, wir waren noch unschlüssig, was unser Tagesziel anging. Es war mit über 30°C einer der heißen Tage unserer Tour, wir hatten zuvor unsere Wasserflaschen und den Wassersack prall gefüllt. Als wir nach fast 17 Kilometern an den zuvor beschriebenen Platz kamen, hörten wir schon von weitem die Kinder, die im Fluss badeten. Wir beschlossen zu bleiben, unser Proviant reichte noch für zwei Tage und somit war der Abend gesichert. Wir stellten unsere Zelte auf und um uns herum wuselten die Kinder der Familie. Kurz vor dem Sonnenuntergang trafen dann noch zwei Kajakfahrer ein, als wir ins Gespräch kamen wurde klar, wir hatten auch in Trittelwitz gemeinsam gecampt.

 

Micha und seine Frau Isa berichteten von ihren Kajak-Reisen, die sie schon in die Türkei und bis zu den griechischen Inseln führte. Nach dem Essen gingen Helmut und ich noch durch die schöne Weidelandschaft bis den Ort. Der Abend klang dann an einem Lagerfeuer aus.

14.08.2015 Gützkow-Stolpe

Tagesstrecke: 23,7 Kilometer

07:47-16:00 Uhr

Bei herrlichem Sonnenschein gab es Frühstück und dann bauten wir die Zelte ab. Nachdem wir das Boot beladen hatten verabschiedeten wir uns von den Paddlern und dann hieß es Leinen los. Micha und Isa wollten an diesem Tag bis Stolpe paddeln ließen sich aber noch Zeit, denn mit ihrem sportlichen Kajak waren sie schneller unterwegs als wir. Der Wind blies uns ins Gesicht und es ging nur langsam voran. An einem alten Fähranleger legten wir an und als wir unsere Frühstücksbrote auspackten legte ein Pärchen mit einem Kajak an. Das luftgefüllte Wasserfahrzeug wirke recht stabil hatte aber einen gravierenden Nachteil, es gab wenig Stauraum. Nach der Pause paddelten wir weiter, dieser Tag war mit seinen 33 °C,  einer der heißesten Tage auf der Peene. In einer Bucht sahen wir ein Hausboot liegen, alte Bekannte, die Familie hatte es auch nicht eilig und so kam es, dass wir uns täglich begegneten. Als sie losfuhren kam der Spruch: „…ihr holt uns sowieso ein…!

 

Zwei Paddler kamen uns bei Liepen entgegen und sprachen uns an, sie hatten 25,00 Euro Strafe bezahlt, weil ihr Kanadier keinen Namen trug und der Heimathafen nicht auf der Innenseite vermerkt war. Wir dachten es sei ein Scherz, aber leider war das ein tatsächlicher Strafbestand. Nach Liepen wurde der Gegenwind stärker, jetzt wollten wir nur noch ankommen. Endlich, in der Ferne sahen wir eine Fähre am Ufer liegen und über den Baumwipfeln kam ein Kirchturm zum Vorschein. Stolpe, jetzt kam auch der Wasserwanderplatz in Sicht, wir steuerten in den kleinen Hafen und waren glücklich. Der Platz bot alle erdenklichen Annehmlichkeiten angefangen von einem Imbiss (erinnere mich noch gern an den selbstgebackenen Kuchen) bis zur Gaststätte mit herrlicher Terrasse. Als unsere Zelte standen und wir unser allabendliches Bad in der Peene hinter uns gebracht hatten, nahmen wir an der Sitzgruppe platz.

 

Während wir futterten kamen zwei Kajakfahrer angepaddelt, es waren Micha und Isa. Micha hatte sich an einem Metallstück beim Baden am Fuß verletzt. Sie brachten ihre Packtaschen auf die Wiese und als sie ihr Nachtlager aufgebaut hatten kamen sie noch zu uns an den Tisch. Zum Abend wollte Micha mit seiner Frau in der Gaststätte speisen, während wir das herrliche Wetter für einen Gang durch den Ort nutzten.

15.08.2015 Stolpe-Anklam-Altentreptow

Tagesstrecke: 9 km im Kanadier und 41 Kilometer auf dem Fahrrad

08:15-16:45 Uhr

Von 6:00 bis 7:00 Uhr kam das schon länger angekündigte Gewitter, es donnerte und regnete kurz, dann konnten wir loslegen. Aber bevor wir alles im Boot verstaut hatten, bekam der Kanadier noch den Namen „Tante Ally“ verliehen. Den Namen schrieb ich mit einem Edding auf die Bootshaut und hoffte damit dem Gesetz genüge getan zu haben. Auf der Peene war wenig los, dafür sahen wir Enten und eine Schwanenfamilie. Am Schilfgürtel auf gleicher Höhe mit unserem Kanadier gingen sie auf Nahrungssuche. An der Peene wurden 156 Brutvogelarten, von denen 40 auf der Roten Liste stehen, registriert.

 

Es dauerte nicht sehr lange bis die ersten Türme uns die Nähe der Stadt Anklam ankündigten. Auf dem Wasser waren Bojen gesetzt, Motorboote mit Rettungsschwimmern fuhren auf und ab. Diese Maßnahmen wurden für einen Wettbewerb im Langstreckenschwimmen getroffen und in der Stadt gab es letzte Vorbereitungen zu einem Volksfest. Wir paddelten zum Campingplatz hier gab es einen Steg an dem wir gut anlegen konnten. Nach einem Rundgang auf dem Platz und einer kurzen Beratung entschlossen wir uns hier unsere Zelte nicht aufzuschlagen. Für diesen Tag hatten wir hier einen halben Ruhetag eingeplant und wollten uns die Stadt ansehen. Leider lag der Platz an einer stark befahrenen Straße und wir konnten uns, nach einer Woche in Ruhe und Abgeschiedenheit, diesem Verkehrslärm nicht aussetzen. Das war ein Startsignal für eine Radreise zum nächsten Camp, also entluden wir den Kanadier und verpackten ihn. Die Räder und der Hänger wurden zusammengebaut für die Ausrüstung verstaut. Unser Proviant neigte sich dem Ende, also fuhren wir noch nach Anklam und kauften ein. Auf dem Marktplatz gönnten wir uns noch ein Eis bevor wir unsere Verpflegung bunkerten. Von hier fuhren wir in Richtung Altentreptow, leider gab es auf dieser Strecke keinen Radweg. Über Neuenkirchen und Schwanbeck ging es nach Altentreptow, auf den letzten Kilometern wurde der Himmel immer dunkler und ein kräftiges Gewitter kündigte sich an. Wir hatten noch mindestens 5 Kilometer zu kurbeln und hofften vor dem Regen unser Ziel zu erreichen. Helmut hatte auf seinem Handy einen Wasserwanderrastplatz gefunden, der an der Tollense lag, wir brauchten dafür nicht durch den Ort und bogen schon vorher ab. Landeten auf einer Wiese, hielten kurz und wollten uns orientieren, da rief ein Mann: “kommt her“.

 

Wir fuhren hin und er wies uns den Platz für unsere Zelte zu, der vor einem großen Unterstand lang. Dort angekommen bauten wir gleich die Zelte auf, der Sturzregen hatte solange gewartet. Unter dem geschützten Unterstand warteten wir bis der Regen aufhörte und richteten dann unser Nachtlager ein. Wir waren nicht allein auf dem Platz hier gab es viele Angelteiche an deren Ufern Männer standen, die ihren Fisch zum Abendbrot angelten. Am späteren Abend nahmen wir noch in dem klaren Wasser des Flusses Tollense ein Bad. Der Besitzer kam noch auf ein Schwätzchen vorbei, bot uns seine frisch geräucherten Forellen an und kassierte das Geld für die Übernachtung. Wir saßen bei Laternenlicht, Insekten flatterten um das grelle Licht, ganz in unserer Nähe tauchten glühende Augen aus der dunklen Nacht auf. Der Schäferhund des Besitzers schritt noch sein Revier ab und stattete mir einen Besuch ab, ich ließ das mächtige Tier nicht meine Angst spüren und streichelte vorsichtig sein dichtes Fell. Als er wieder verschwand kroch ich erleichtert in meinen Schlafsack.

 

16.08.2015 Altentreptow-Waren Müritz

Tagesstrecke: 75 Kilometer

8:30 Uhr-16:00 Uhr

Nebel lag über den Wiesen an der Tollense, die Zelte waren feucht und wir verpackten die Innen- und Außenzelte getrennt voneinander, bevor wir uns von dem Gastgeber verabschiedeten. Im Laufe des Tages wurde es schwül und mit 34 °C auch richtig heiß. Wir fuhren auf dem Tollensee Radweg in Richtung Neubrandenburg. An einer Brücke machten wir halt, auf der Wiese unter uns hatten Paddler ihre Zelte aufgeschlagen und ihr Morgenbad in der Tollense genommen. In Neubrandenburg fuhren wir durch eines der vier Stadttore, dann weiter an der alten Stadtmauer entlang bis ins Zentrum und machten dort eine ausführliche Pause.

 

Auf dem Tollensetal-Rundweg kamen wir aus der Stadt und fuhren bis Alt Rehse, von dort auf der Eiszeitroute über Penzlin bis Friedrichsfelde. In Ankershagen machten wir Rast am Heinrich-Schliemann-Museum, im Jahre 1980 wurde das ehemalige Elternhaus (ein Pfarrhaus aus dem 18.Jhd.) zum Museum eingerichtet. In der Zeit von 1823 bis 1831 verbrachte Heinrich Schliemann hier einen Teil seiner Kindheit. Berühmt wurde der Altertumsforscher als Ausgräber Trojas und Wiederentdecker der mykenischen Kultur.

 

Die Sonne brannte bis wir endlich bei Federow den Müritz Nationalpark erreichten und auf dem Müritzrundweg weiter fuhren. Hier war wesentlich mehr Betrieb als auf der Eiszeitroute, vor uns fuhr eine Radreisende mit einem beladenen MTB. Anna, sie kam aus Berlin und war auf dem Weg nach Malmö. Hatte gerade ihren Master bestanden und war allein unterwegs, sie suchte Ruhe und Abstand nach den turbulenten Wochen. Bis kurz vor Waren kurbelten wir zusammen, dort trennten sich unsere Wege und wir fuhren auf den Campingplatz. Als die Zelte standen kühlten wir uns in den Fluten der Müritz etwas ab. Der große Platz hatte ein Bistro und wir beschlossen heute nicht die Kocher anzuwerfen, es gab leckere Kartoffelstückchen mit Zaziki und Krautsalat. In der Rezeption hatte ich im Anschluss die Möglichkeit endlich ein paar Bilder und einen kleinen Text für meinen Reise-Blog zu schreiben. Pünktlich zur Nachtruhe war ich wieder am Zelt, nur schlafen war nicht möglich, denn um 22:30 Uhr ging ein Gewitter los. Der Starkregen spülte jede Menge Wasser unter unsere Zeltböden. Wir standen mit den Zelten an einem leichten Abhang und das Wasser floss quasi durch unsere Zelte. Ein Graben um unsere Zelte hätte das sicher verhindert. Das Gewitter zog weiter und wir konnten endlich schlafen.

17.08.2015 Waren Müritz- Plau am See

Tagesstrecke: 52 Kilometer

10:30 Uhr-17:30 Uhr

Der Tag begann für mich mit einem Besuch im Sanitärgebäude und der längst fälligen Nassrasur. Als ich wieder am Zelt war begann es erneut zu regnen. Das brachte uns den Tagesplan durcheinander, Helmut blieb im Zelt, obwohl er nach Waren fahren wollte, um dort einige Besorgungen zu erledigen. Ich fand mich in der Rezeption ein, um dort den vorbereiteten Bericht online zu stellen. Punkt 10:00 Uhr war ich damit fertig, Helmut hatte bis auf sein Zelt schon alles verpackt. Eilig verstaute ich alle Sachen und wir fuhren gemeinsam nach Waren. Die Besorgungen war schnell erledigt, darunter auch ein neuer Reifen, Helmut hatte an seinem Fahrrad einen langen Riss im Reifen des Hinterrades.

 

Inzwischen war es 12:00 Uhr als wir den Ort verließen und über Jabel fuhren, einen Teil der Strecke kannten wir ja schon von der Hinreise. Am linken Straßenrand standen zwei junge Reiseradler aus Schweden, an einem Fahrrad hatten sie Probleme mit dem Schaltwerk. Wir fuhren hin und halfen gern, nach einigen Umdrehungen mit dem Schraubenzieher funktionierte alles wieder. Man dankte und wir hatten unsere gute Tat für diesen Tag vollbracht. An einem kleinen Lebensmittelladen bremste ich, um dort noch eine Kleinigkeit einzukaufen. Helmut sah es zu spät und musste hart abbremsen, dabei blockierte sein Vorderrad. Der Bremsbelag der Scheibenbremse hatte sein Leben ausgehaucht. Werkzeug und Ersatzbeläge raus und die Schrauberei begann. Nach einer halben Stunde war das Fahrrad wieder flott. Die Fahrt setzten wir über Alt Schwerin, dann am Nordufer des Plauer Sees, später dann auf dem Plauer-Seen-Rundweg fort.

 

Der Rückenwind brachte uns schnell ans Ziel. Als wir am Campingplatz ankamen war die Zeltwiese schon recht voll. Wir fanden noch ein kleines Stückchen Wiese und errichteten dort unsere Nachtlager. Vier junge Männer hatten uns gegenüber so eine Art Zeltburg errichtet, sie tranken Alkohol und waren sehr laut. Beim Abendessen reichte es uns und wir forderten Ruhe ein, besonders ab 22:00 Uhr. Sie zeigten sich einsichtig, machten die laute Musik aus und versprachen die Nachtruhe nicht zu stören. Leider klappe es nicht so wirklich, da sehnten wir uns zu den einsamen Wasserwanderrastplätzen zurück.

18.08.2015 Plau am See – Lübz – Wasserwanderrastplatz Burow

Tagesstrecke: 22 Kilometer auf dem Fahrrad, 12 Kilometer im Kanadier

07:45 – 16:15 Uhr

Am nächsten Morgen beschlossen wir, uns die 4 Schleusen zwischen Plau und Lübz zu sparen und fuhren mit unseren Rädern die 22 Kilometer bis Lübz. Dort kauften wir den Proviant für unsere nächste Paddel-Tour ein. Nach dem Einkauf kurbelten wir zur Elde-Müritz-Wasserstraße, um den Kanadier aufzubauen. Wir fanden recht schnell einen geeigneten Platz und nach kurzer Zeit saßen wir wieder im Boot. Bis Helmut laut die Frage stellte “Warum haben wir jetzt Gegenwind und fahren gegen die Strömung?” Ich bemerkte den Stand der Sonne, sie stand auf der falschen Seite. Das bedeutete wir waren 900 Meter in Richtung Plau unterwegs, also in die falsche Richtung. Schei…. , bei der Fahrt über eine Brücke, die über die Elde führte, hätten wir links abbiegen müssen.

 

Wir wendeten und hatten dann doch eine Schleuse vor uns, es ging aber zügig und wir konnten gleich die Schleuse passieren, dadurch verloren wir nicht noch weitere Zeit. Nach 12 Kilometern kamen wir am Wasserwanderrastplatz Burow an. Hier belud Kay sein Kajak, ein schnittiges Teil, mit dem er schon von Bad Schandau die Elbe bis Dömitz befuhr. Ab Dömitz fuhr er auf der Müritz-Elde-Wasserstraße bis Burow und wollte weiter zur Müritz paddeln. Der Platz war gemütlich und wir hatten die kleine Zeltwiese für uns allein, nicht ganz, die Mücken waren auch noch da. Aus diesem Grund beschloss Helmut ein Feuer zu machen und wir sammelten Brennholz. Nach dem Abendbrot saßen wir dann noch am Feuer und trockneten unsere Klamotten.

 

19.08.2015, Wasserwanderrastplatz Burow-Wasserwanderrastplatz Parchim

Tagesstrecke: 20,5 Kilometer

08:45 Uhr-16:00 Uhr

Am nächsten Morgen plagten uns dann die braunen Nacktschnecken, es müssen hunderte Schnecken auf dieser Wiese gewesen sein. Sie mochten die Packtasche von Helmut ganz besonders und haben auch noch den Inhalt der Tasche genau inspiziert. Einfach leeeecker!!! Es war sehr feucht und von den umliegenden Wiesen stieg dichter Nebel auf.

 

Als wir unsere Ausrüstung im Kanadier verstauten bekamen wir noch ein paar Tipps über den weiteren Verlauf der Wasserstraße. Wir paddelten los, wurden unterwegs von ihnen natürlich eingeholt. Vor der nächsten Schleuse lagen sie dann an einem Steg und warteten auf das Signal zur Einfahrt in die Schleuse. Wir paddelten auch zu dem Steg und bekamen noch eine kostenlose Einweisung für den Umgang mit der Selbstbedienungsanlage dieser Schleusen. Dadurch verging die Wartezeit recht schnell und wir konnten die Schleuse passieren. Die Tore schlossen sich und das Schleusen begann, unser Boot fuhr wie in einem Fahrstuhl nach unten, dabei wurden die dunklen Wände der Schleuse sichtbar. Als wir auf dem richtigen Niveau ankamen öffneten sich die Schleusentore und wir setzten unsere Reise fort. Am linken Ufer der Elde-Müritz-Wasserstraße gönnten wir uns dann noch eine kleine Rast, bevor wir Parchim erreichten.

 

Die gepflegte Marina lag direkt am Stadtzentrum. Hinter einer kleinen Fußgängerbrücke aus Holz, befand sich ein Steg der Marina, wir kamen gerade so unter ihr durch. Machten unseren Kanadier fest, bauten die Zelte auf und trockneten sie noch in der Sonne. Nachdem unsere Wäsche auf der Leine hing machten wir noch einen Stadtrundgang bevor wir unser Abendessen zubereiteten. Plötzlich stand neben uns eine Frau die uns frische Tomaten anbot, gerade im Garten geerntet und für nur einen Euro. Das konnten wir nicht ausschlagen und freuten uns über das frische Gemüse.

 

20.08.2015, Wasserwanderrastplatz Parchim-Friedrichsmoor

08:00-17:00 Uhr

In der stille der Nacht öffnete sich ein Schieber, der hat uns dann mit lautem Getöse den Durchfluss des Wassers angekündigt. Kleiner Tipp, nicht so dicht an dem Steg die Zelte aufschlagen verlängert die Nachtruhe ungemein.

Als der Nebel sich am Morgen verzogen hatte trafen wir an unserer nächsten Schleuse, natürlich mit Selbstbedienung ein. Es war acht Uhr und auf der Hinweistafel standen die Schleusenzeiten. Von 9:00-19:30 Uhr konnte man hier die Schleuse passieren, das hätte auch schon auf dem Wasserwanderrastplatz stehen können, tat es aber nicht. Somit warteten wir geduldig auf die erste Schleusung an diesem Tag:-(. Der Fahrer eines Motorbootes gab uns ja schon eine kleine Einweisung in das Wunderwerk der Technik. Ein blauer Hebel war zu ziehen, dann ging ein Signal nach Parchim und von dort wurde der Vorgang eingeleitet. Auf einer Hinweistafel war der jeweilige Schritt abzulesen und als die Ampel von Rot auf Grün geschaltet wurde konnten wir in die Schleuse fahren.

 

Von Parchim paddelten wir dann weiter auf der Müritz-Elde-Wasserstraße und wollten gern die alte Elde befahren. Wir suchten eine direkte Einfahrt, die gab es aber so nicht. Wieder halfen uns entgegen kommende Wassersportler und beschrieben uns den Ort. Ein Baum mit einer roten Markierung und einem kleinen Steg davor. Wir dankten für die hilfreiche Insider-Information und fanden auch den beschriebenen Platz. Hier war ein Umtragen des Bootes und der Ausrüstung nötig. Das Ufer der alten Elde war sehr morastig und das erschwerte die Sache. Zum Schluss hatte Helmut noch Mühe seinen Fuß wieder aus der klebrigen Masse zu befreien. Die Plackerei hatte sich gelohnt, wir befuhren einen Fluss mit glasklarem Wasser. In und an der alten Elde tobte das Leben, wir sahen viele Fische, einen Biber, Eisvögel und zum Schluss stand noch ein Pferd mitten im Fluss. Nach ungefähr acht Kilometern endete dann leider die Reise auf der alten Elde.

 

Bei Garwitz gab es einen direkten Zulauf in die Müritz-Elde-Wasserstraße und wir brauchten den Kanadier nicht erneut umsetzen. Am Abzweig in Richtung Neustadt-Glewe sollte die alte Elde weiter fließen und wir fragten Angler nach dem Einsatzort, da kam die Antwort: „Die Einfahrt sei nicht passierbar…“. Davon wollten wir uns selbst überzeugen und fuhren hin, ein Tor versperrte die Zufahrt. Somit blieb uns nichts weiter übrig, als auf der Stör weiter in Richtung Schwerin zu paddeln. Am Störkanal bauten wir, nach 21 gepaddelten Kilometern, dann den Kanadier auseinander und verstauten ihn auf dem Hänger. In der Nacht hörten wir noch oft die Rufe der Kraniche und die Reiher gingen in der Stör auf Fischjagd.

 

21.08.2015, Friedrichsmoor-Schwerin

08:00-11:00 Uhr

Am nächsten Morgen fuhren wir über Friedrichsmoor, Banzkow und Plate nach Schwerin. In Schwerin wurden wir dann gleich wieder in den brutalen Alltag einer großen Stadt katapultiert.

 

In Mueß bog ich eine Abfahrt zu früh ab und als wir aus dieser Einfahrt herausfuhren, stand der Fahrer eines Mercedes auf der Straße. Der Fahrer forderte uns im barschen Ton auf sein Grundstück zu verlassen und die Einfahrt zu räumen, ihr Penner… Wir blieben stehen und es gab ein Wortgefecht, plötzlich fuhr er an und hatte dabei meinen Hänger demoliert. Das Resultat seiner Aktion war, dass beide Räder jetzt eine Acht hatten. Er war uneinsichtig und mir blieb keine andere Wahl als die Polizei anzurufen. Nach einer Weile kamen wir dann unerwartet doch ins Gespräch und er ging auf meine Forderung ein, holte Geld für einen neuen Satz Laufräder und im Gegenzug bestellte ich die Polizei ab.

demolierter Hänger

Wir fuhren weiter, der Hänger mit seinen unrund laufenden Rädern, lief noch erstaunlich gut hinterher, erregte aber überall aufsehen. Am Strand von Zippendorf gönnten wir uns zum Abschluss unserer erfolgreichen Tour noch einen Eisbecher, leeeeeeeecker!!! Helmut fuhr dann weiter nach Hamburg und ich eierte mit dem Hänger nach Hause.

 

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